Grimsmann/Hansen April 2007.
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Samuel Hahnemann (1755 - 1843), der Begründer der Homöopathie
Der um 1800 begründeten Homöopathie fehlt bis heute eine echte wissenschaftliche Anerkennung.
Sie gilt in naturwissenschaftlichen Kreisen immer noch als "Pseudowissenschaft".
Nichts desto Trotz hat sie sich als medizinische Behandlung etabliert.
Sie gewinnt immer mehr Zulauf und wird immer häufiger auch von den Krankenkassen getragen.
Hegel teilt nicht nur Hahnemanns medizinische Grundansichten,
sondern bestätigt auch explizit die Wirkungsweise der homöopathischen Medizin.
So wird bei Hegel, Hahnemann und später in Rudolf Steiners anthroposophischen Medizin u.ä.
oder auch in der fernöstlichen, besonders chinesischen Heilkunde
jede Krankheit im ganzheitlichen Zusammenhang des Gesamtorganismus begriffen,
im Gegensatz zur westlichen Schulmedizin,
in der Krankheiten eher nur als isolierte Störungen einzelner Organe betrachtet werden.
"Die Wiederherstellung der Gesundheit kann nur darin bestehen,
daß diese Partikularisation aufgehoben wird."
Die Funktion der Medizin
bei der Wiederherstellung der Harmonie des organischen Prozesses
ist dabei wesentlich als Hilfe zur Selbsthilfe zu fassen.
Die nähere Wirkungsweise der Arzneien besteht dann darin,
den Körper einer zweiten Schädlichkeit auszusetzen,
um die Isolierung des befallenen Organs aufzugeben.
"Das Heilmittel erregt den Organismus dazu, die besondere Erregung,
in der die formelle Tätigkeit des Ganzen fixiert ist, aufzuheben
und die Flüssigkeit des besonderen Organs oder Systems in das Ganze herzustellen.
Dies bewirkt das Mittel dadurch, daß es ein Reiz,
aber ein schwer zu Assimilierendes und zu Überwindendes ist
und daß damit dem Organismus ein Äußerliches dargeboten wird,
gegen welches er seine Kraft aufzubieten genötigt ist.
Gegen ein Äußerliches sich richtend,
tritt er aus der mit ihm identisch gewordenen Beschränktheit,
in welcher er befangen war und gegen welche er nicht reagieren kann,
insofern es ihm nicht als Objekt ist."
"Die Arzneimittel sind insofern negative Reize, Gifte;
ein Erregendes und zugleich Unverdauliches
wird dem in der Krankheit sich entfremdeten Organismus
als ein ihm äußerliches Fremdes dargeboten,
gegen welches er sich zusammennehmen und in Prozeß treten muß,
durch den er zum Selbstgefühl und zu seiner Subjektivität wieder gelange."
Die Auswahl der geeigneten "Gegengifte" beruht auf dem Grundsatz:
„Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt“ (Hahnemann).
Durch dieses Gift,
überhaupt etwas dem Organismus Widriges, was in ihn gebracht wird,
geschieht es,
daß diese Besonderheit, in der er gesetzt ist,
für ihn etwas Äußerliches wird,
während als Krankheit die Besonderheit
noch eine Eigenschaft des Organismus selbst ist.
Indem also die Arznei zwar dieselbe Besonderheit ist,
aber mit dem Unterschiede, daß sie den Organismus jetzt
mit seiner Bestimmtheit als einem Äußerlichen in Konflikt bringt,
so wird die gesunde Kraft jetzt als eine nach außen tätige erregt
und gezwungen, sich aufzuraffen, aus ihrem Versenktsein in sich herauszutreten
und nicht bloß sich in sich zu konzentrieren,
sondern jenes Äußerliche zu verdauen."
Zur homöopathischen Methode der Verdünnung (Potenzierung)
nimmt Hegel nicht ausdrücklich Stellung.
Er gibt jedoch an, daß für entwickelte Individuen
"individualitätsloses Neutrales" (z.B. also auch Verdünntes) besonders unverdaulich, also wirksam sei.
Als Alternative zur Verabreichung von Arzneimitteln,
die die Tätigkeit des Organismus anregen sollen,
nennt Hegel dann noch einen zweiten Grundansatz zur Heilbehandlung,
der auf der Schwächung der Tätigkeit des Körpers beruht.
Und auch dieser Ansatz wird von den Homöopathen geteilt.
So ist als schwächende Methode die Hungerkur aufgekommen,
und insofern die Homöopathie hauptsächlich auf Diät sieht, gehört sie auch hierher...
[Sie] soll machen, daß der Organismus aus sich zehrt und so das Abnorme überwindet."
(alle Zitate aus Hegels Naturphilosophie)
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