Kommentar zum subjektiven Geist, Kapitel 2
Was den Zugang erschwert
Drei Gründe, die zusammenwirken — und sie sind andere als bei der Naturphilosophie. Dort erschweren überholte Sachaussagen den Zugang; hier ist es die Sprache selbst.
Die Namen führen in die Irre. Anthropologie heißt hier nicht, was das Fach heute so nennt; Phänomenologie ist nicht die Husserls und auch nicht ohne weiteres die des großen Buchs von 1807; Psychologie ist keine empirische Wissenschaft. Hegel gebraucht Fachnamen seiner Zeit für systematische Stellen.
Der Gegenstand ist ungewohnt geschnitten. Was heute Neurologie, Entwicklungspsychologie, Wahrnehmungsforschung und Handlungstheorie getrennt behandeln, steht hier in einem Zug — und die Ordnung folgt nicht der Fachgliederung, sondern der Frage, wie viel Selbstbezug jeweils erreicht ist.
Und die Sprache legt ein Subjekt nahe, das es nicht gibt. „Der Geist entwickelt sich“, „die Seele erhebt sich“ — das klingt nach einer Instanz, die handelt. Stekelers Satz dazu ist die beste Warnung, die man dem Leser mitgeben kann: „Der Geist tut natürlich im wörtlichen Sinn gar nichts.“[1]
Gemeint ist, dass wir die geistigen Formen entwickeln — und zwar nicht rein absichtlich, sondern auch ereignisartig, weil Vorschläge zur Formung gemeinsamen Wissens und Handelns erst allgemein anerkannt werden müssen, um zu Normen zu werden. „Von selbst“ entwickelt sich der Geist insofern, als wir von den Sachen her dazu geführt werden, an dieser Entwicklung teilzunehmen.
I.2 Der Eingang (§§ 381–387)
Bevor die Anthropologie beginnt, klärt Hegel vier Fragen, und keine davon ist entbehrlich: Wie kommt der Geist aus der Natur? Was macht ihn aus? Wie gliedert er sich? Und woraus folgt die Gliederung des subjektiven Geistes?
Stekeler-Weithofer, Hegels Realphilosophie, zu § 387 (S. 507). ↩︎