Kommentar zum subjektiven Geist, Kapitel 4
Der Übergang aus der Natur (§ 381)
Der erste Satz bestimmt das Verhältnis:
„Der Geist hat für uns die Natur zu seiner Voraussetzung, deren Wahrheit und damit deren absolut Erstes er ist.“
Zwei Dinge stehen darin, die einander zu widersprechen scheinen. Die Natur geht voraus — ohne sie kein Geist. Und der Geist ist ihr „absolut Erstes“ — dasjenige, worauf sie hinausläuft.
Das „für uns“ löst den Widerspruch. Für die Betrachtung, die den Gang nachvollzieht, kommt die Natur zuerst. Der Sache nach ist sie das Unvollständige, dessen Vollendung der Geist ist. Es sind zwei Reihenfolgen — die des Erkennens und die der Sache.
Und was der Übergang bedeutet, sagt Hegel unmittelbar: In dieser Wahrheit sei „die Natur verschwunden“. Nicht abgeschafft — aufgehoben: Was in der Naturphilosophie als Äußerlichkeit auseinanderfiel, ist jetzt bei sich. Was dort endet, entwickelt [[hegel-natur]] (optional).
Damit ist zugleich gesagt, warum es drei Ausgangspunkte gibt und nicht einen. [[kleine-logik:23a]] (optional) unterscheidet drei Kreise, die alle wahr sind: Performativ beginnen wir beim Geist — wir denken jetzt. Chronologisch war die Natur zuerst da. Systematisch ist die Logik der Grund von beidem.
Und das Kolleg macht die Doppelung ausdrücklich. Hegel unterscheidet dort zwei Betrachtungsweisen und benennt beide:
„Diese Bestimmtheit gegen die Natur ist nicht nur in unserer Reflection, sondern es ist der Geist selbst, der aus der Natur herkommt, sie aufhebt und dadurch die Wahrheit der Natur ist. Indem wir die Bestimmung des Geistes gegeben, so sind wir es die den Geist bestimmen, und das ist die subjective Betrachtungsweise; das objective ist, daß der Geist selbst sich gegen die Natur bestimmt.“[1]
Wir bestimmen den Geist — das ist die eine Seite. Der Geist bestimmt sich selbst gegen die Natur — das ist die andere. Beide sind im Spiel, und der gedruckte Paragraph sagt es mit dem einen Wort „für uns“.
Das „für uns“ in § 381 benennt den performativen Kreis, das „absolut Erste“ den systematischen. Wer beide gegeneinander ausspielt, hat eine Perspektive für die Sache genommen — und genau das ist der Fehler, den die Rede vom „Idealismus“ regelmäßig macht. [KF]
Vorlesungen über die Philosophie des subjektiven Geistes, Einleitung, Kolleg 1822: GW 25.1, zu § 299 f. der damaligen Zählung. ↩︎