Kommentar zum subjektiven Geist, Kapitel 43
Was die Edition leistet
Dasselbe wie bei der Natur: Petry weist nach, woher Hegels Material stammt. Seine Liste der zeitgenössischen deutschen Anthropologien umfasst Dutzende Titel — von Loders Anfangsgründen der physiologischen Anthropologie (1800) über Pölitz’ Populäre Anthropologie bis zu Bartels’ Anthropologischen Bemerkungen über das Gehirn und den Schädel des Menschen (1806), letztere „mit beständiger Beziehung auf die Gall’schen Entdeckungen“.
Damit ist belegbar, was sonst Vermutung bliebe: Hegel las die Fachliteratur seiner Zeit, und die Anthropologie verarbeitet sie.
Seine These zum Verhältnis von Empirie und System
Sie ist der wichtigste Beitrag, und sie trifft Exners Erschleichungsvorwurf an der Wurzel:
Hegel könne in dieser Weise „über das Übergehen des Körpers in den Geist und die Leere des traditionellen philosophischen Zugangs zu diesem Übergang“ urteilen, weil er dessen empirische Struktur philosophisch systematisiert. „Entfernt man die empirische Grundlage, bestreitet man den Wert der genauen Aufmerksamkeit, die er der einschlägigen empirischen Forschung seiner Zeit widmet“, dann verliere seine Kritik ihren Boden.[1]
Das ist die Gegenposition zu Exner in einem Satz. Wo dieser die Aufnahme externen Materials für eine Erschleichung hält, sieht Petry darin die Bedingung, unter der Hegels Urteil überhaupt Gewicht hat.
Und beide haben denselben Befund vor Augen — dass die Anthropologie von fremdem Stoff lebt. Sie bewerten ihn entgegengesetzt, und die Entscheidung fällt daran, ob man von der Logik erwartet, dass sie Stoff erzeugt, oder dass sie ihn ordnet.
Was die Bände 2 und 3 enthalten
Der Kommentar folgt dem Text Paragraph für Paragraph, deutsch und englisch nebeneinander, mit den Nachweisen am Fuß. Für diesen Band war er dort nützlich, wo Hegel eine Position bezieht, die im Grundtext nicht steht — etwa die Ablehnung der Spielpädagogik im Zusatz zu § 396 (siehe Teil I).
Ein Verfahrenshinweis: Die Bände liegen nur als Scan ohne Textschicht vor. Sie lassen sich seitenweise lesen, aber nicht durchsuchen — was bedeutet, dass ihre Auswertung dem folgt, was man sucht, und nicht dem, was dort steht.
Ein Befund zu Herr und Knecht
Petry ordnet die Stelle so ein, wie es dieser Band getan hat — und bestätigt es aus der Redaktionsgeschichte: Hegel illustriere die Stufen des anerkennenden Selbstbewusstseins offenbar deshalb mit der Herr-Knecht-Dialektik, „um seinen Studenten zu helfen, einem besonders abstrakten und schwierigen Abschnitt der Phänomenologie zu folgen“.
Und die Folgerung: „Es ist jedoch keine systematische Behandlung solcher Situationen, sondern die Veranschaulichung einer Bewusstseinsstufe.“
Das stützt, was Stekeler mit anderen Mitteln zeigt: Herr und Knecht ist ein Bild, kein Programm — und wer daraus eine Geschichtsphilosophie macht, hat die Funktion der Stelle verkannt.
G. W. F. Hegel, Philosophy of Subjective Spirit, hg. und übersetzt von Michael John Petry, 3 Bde., Dordrecht 1978, Bd. 1, Einleitungen, S. liii und lxxxviii. Die Liste der zeitgenössischen Anthropologien ebd., Anhang. ↩︎