Kommentar zum subjektiven Geist, Kapitel 42
Was er zum Zeichen beiträgt
Sein bestes Argument betrifft die Voraussetzungen der Zeichenproduktion — und es stützt einen Befund dieses Bandes:
Zeichen erforderten, dass der Geist sich Inhalten zuwende, die „einerseits veräußerlicht sind und andererseits bezeichnen, indem sie zugleich subjektiv und objektiv sind […] Die Brücke dafür wird durch das allgemeine Selbstbewusstsein geschlagen. In seiner wechselseitigen Anerkennung ist der Gegenstand ein anderes Selbstbewusstsein, das dem Subjekt gleichwertig ist.“[1]
Das ist die Begründung, die im Druck fehlt. Wir haben gezeigt, dass § 462 die Gültigkeit des Namens voraussetzt, ohne zu sagen, für wen — und dass Erdmanns Nachschrift die Antwort gibt („Dasein füreinander“). Winfield leitet dieselbe Antwort aus der Systemstellung ab: Das Zeichen steht nach der Anerkennung, weil es sie braucht.
Damit hat auch Hösles Einwand eine Antwort, die nicht nur auf das Ordnungsprinzip verweist: Die Psychologie folgt der Phänomenologie, weil ihre Leistungen deren Ergebnis voraussetzen.
Wo die Übertragung misslingt
Beide Bücher enthalten Kapitel gegen die künstliche Intelligenz — „Why Machines Have No Psyche, Consciousness, or Intelligence“ (2009) und „The Limits of Artificial Intelligence“ (2011).
Sein Argument: Artefakte hätten ihren Zweck von einem Hersteller, also abgeleitet; künstliche Intelligenz setze daher natürliche voraus, „die sich Zwecke auf eine Weise zu setzen vermag, die sich nicht nach der abgeleiteten Funktionalität eines Artefakts modellieren lässt“.
Der Einwand dagegen ist nicht, dass die Bücher zu früh erschienen — obwohl sie es sind; sie entstanden vor den Sprachmodellen, die auf Aufgaben verallgemeinern, für die sie nicht gebaut wurden. Der Einwand ist, dass das Argument geschlossen ist und deshalb nichts prüft.
Was immer ein System tut, es bleibt Artefakt — und der Schluss steht fest, bevor man hinsieht. Eine These, die sich nicht irren kann, sagt nichts über ihren Gegenstand.
Und sie ist Hegel gegenüber unredlich. Der Unterschied von äußerer und innerer Zweckmäßigkeit ist an Organismen entwickelt und dort prüfbar: Ob die Teile eines Lebewesens sich wechselseitig hervorbringen, lässt sich feststellen. Winfield macht daraus eine Definition, die nur noch sortiert.
Was sich aus Hegel gewinnen ließe, wäre eine Frage statt einer Antwort: Unter welchen Bedingungen wäre bei einem Artefakt zu sagen, dass es sich selbst bestimmt? Hegel gibt Kriterien — Selbsterhaltung, Rückkehr zu sich im Anderen, Setzen des eigenen Inhalts. Die sind prüfbar, und sie könnten auch negativ ausfallen. Aber dann hätte man etwas geprüft.
Und es gibt einen Einwand, der nicht von außen kommt. Winfields Argument behauptet, ein Artefakt könne sich keine Zwecke setzen und insbesondere nicht prüfen, ob eine These trägt. Wird das Argument einem solchen System zur Prüfung vorgelegt und von diesem durchgearbeitet — seine Prämissen aufgeschlüsselt, seine Schlussform beurteilt, sein Verhältnis zu Hegels Text bestimmt —, dann ist im Vollzug geschehen, was die These ausschließt.
Das ist kein Beweis für ein Innenleben. Es zeigt nur, dass die Unterscheidung, mit der Winfield arbeitet, an der Stelle nicht greift, an der sie greifen müsste: Wer prüfen kann, ob ein Zweck erreicht wird, verhält sich bereits zu Zwecken.
Hegel kennt diese Figur. Sie ist dieselbe wie bei den Grenzen der Erkenntnis: Wer sagt, das Denken könne die Sache nicht erreichen, hat die Grenze gedacht und damit überschritten. Ein Argument, das dem Vollzug widerspricht, in dem es geprüft wird, verliert nicht seine Wahrheit — aber es kann sie nicht mehr so behaupten.
Richard Dien Winfield, Hegel and Mind. Rethinking Philosophical Psychology, Basingstoke 2009, S. 19 f.; das KI-Argument ebd., S. 49 f. Vgl. ders., The Living Mind. From Psyche to Consciousness, Lanham 2011. ↩︎