Kommentar zum subjektiven Geist, Kapitel 39
Die Einteilungsformel
Drüe gibt Hegels Gliederung des Geistes in drei Sätzen wieder, die man sich merken kann:
„1. Der subjektive Geist besteht immer in der Form der Beziehung auf sich selbst. 2. Der objektive Geist besteht in einer Form der Realität, die er selbst erzeugt. 3. Der absolute Geist ist der wirklich wahre Geist; er lebt in an und für sich seiender Einheit der Objektivität des Geistes und seines Begriffs.“[1]
Und er nennt den Grund, warum der subjektive Geist der unangemessenste ist: Er sei „seinem Telos am wenigsten angemessen: Er ist anfänglich noch dem Anderssein der Natur verhaftet.“
Warum diese Unangemessenheit weitertreibt, formuliert Drüe genauer, als Hegel es tut: Sie widerspreche dem Geist, „weil sie nicht wahrhaft unmittelbar, sondern an sich gesetzt ist. Dieser Widerspruch veranlaßt den Geist, die gefundene Schein-Unmittelbarkeit wegzuarbeiten.“
Schein-Unmittelbarkeit — das ist der Ausdruck, der fehlte. Was die Anthropologie vorfindet, ist nicht wirklich unmittelbar; es sieht nur so aus. Und deshalb kann es nicht bleiben.
Sein Referat der Kritikgeschichte
Drüe ordnet die Einwände gegen den subjektiven Geist nach Typen — und der zweite trifft eine Haltung, die bis heute verbreitet ist:
„Ein anderer Typ der Kritik verwirft Hegels Systematik, will aber einzelne menschenkundliche Einsichten gelten lassen. In dieser Kritik wird der Subjektivitätstheoretiker angegriffen, der sogenannte feinsinnige Menschenkenner dagegen anerkannt; solches Lob ist sicher nicht im Sinne Hegels.“
Das trifft genau das Verfahren, das dieser Band vermeidet — die Einzelbeobachtungen loben und die Ordnung verwerfen, die sie hervorgebracht hat.
Hermann Drüe, Die Philosophie des Geistes, in: Hegels „Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften“ (1830). Ein Kommentar zum Systemgrundriß, hg. von Herbert Schnädelbach, Frankfurt 2000, S. 206 ff. ↩︎