Kommentar zur Logik, Kapitel 20

Organisierendes Prinzip der Idee

Die Idee ist die Einheit von Begriff und Objektivität — nicht als nachträgliche Synthese, sondern als Prozess, der sich selbst hervorbringt, erhält und entwickelt. Die Bewegung verläuft in drei Stufen zunehmender Bewusstheit: Leben (unmittelbare Selbstbeziehung — sich erhalten, ohne zu wissen warum), Erkennen und Wollen (entzweite Selbstbeziehung — Theorie und Praxis als getrennte Perspektiven), absolute Idee (Selbsterkenntnis der Methode — die Logik wird sich ihrer eigenen Bewegungsformen bewusst).

Mit der Idee ist erreicht, woran seit Kap. 8a.2 gemessen wurde. “Die Idee ist das Wahre an und für sich, die absolute Einheit des Begriffs und der Objektivität” (Enzyklopädie Bd. 1, § 213); in der großen Logik: “Die Idee ist der adäquate Begriff, das objektive Wahre oder das Wahre als solches” (TWA 6, 462). Hegel setzt diesen Wahrheitsbegriff ausdrücklich gegen den gewöhnlichen: “die Wahrheit ist dies, daß die Objektivität dem Begriffe entspricht, — nicht daß äußerliche Dinge meinen Vorstellungen entsprechen” (§ 213 Anm.). Das Begriffsurteil (Kap. 10.8) hat diese Angemessenheit geprüft. In der Idee ist sie die Form der Sache selbst: Leben, Erkennen, Wollen und absolute Idee sind Stufen, auf denen Begriff und Objektivität einander immer vollständiger entsprechen.

Durch alle drei Stufen läuft, in der Lesart dieses Kommentars, der Faden, der mit dem Übergehen des Seins begonnen hat: wie der Begriff sein Anderes hat. Innerhalb der Idee nimmt Hegel Schritt für Schritt zurück, dass das Andere nichtig sei. Das Lebendige nimmt die Welt als etwas, das “nur den Wert eines Negativen und Unselbständigen hat” (TWA 6, 480), und greift über sie über. Das Erkennen muss zuerst zurückhalten, damit das Vorhandene sich zeigt, wie es ist. Das Wollen nimmt die Welt zuerst als das “nur Bestimmbare, welches seinen Wert nicht in sich selbst hat” (TWA 6, 546); seine Wahrheit ist, dass es die Welt so nicht mehr nimmt (Kap. 17). Die absolute Idee schließlich entlässt ihr Anderes frei. Die Enzyklopädie macht das zur Definition: “Die absolute Freiheit der Idee aber ist, daß sie nicht bloß ins Leben übergeht, noch als endliches Erkennen dasselbe in sich scheinen läßt, sondern in der absoluten Wahrheit ihrer selbst sich entschließt, […] sich als Natur frei aus sich zu entlassen” (Enzyklopädie Bd. 1, § 244). [KF]

Übergehen, Scheinen, Entwicklung, Entlassen sind die vier Weisen, das Andere zu haben, die die Logik kennt. Die Reihe hat allerdings eine Machtseite, und sie reicht nicht bis zu dem Fall, auf den es in der Ethik ankommt, dass das Andere selbst ein Ich ist. Davon handelt Kap. 18.2. [KF]