Die frühe KI: Symbolische Intelligenz
Dieser Text ist eine Vorschau auf Geschichte der Hegelrezeption, Band II, der 2026 bei Reflexivity Press erscheint.
Das Dartmouth-Projekt 1956
Der Begriff „Artificial Intelligence“ wurde 1956 auf einer Konferenz in Dartmouth geprägt. John McCarthy, Marvin Minsky und andere versammelten sich mit einer kühnen Vision: Innerhalb einer Generation würden Maschinen alles können, was Menschen können - denken, lernen, kreativ sein.
Das Programm war ambitioniert: Maschinen sollten Schach spielen, Theoreme beweisen, Sprache verstehen, Bilder erkennen. Der Ansatz war symbolisch: Intelligenz besteht darin, Symbole nach Regeln zu manipulieren. Das Gehirn ist eine Art Computer, der Symbole verarbeitet.
Die frühen Erfolge waren beeindruckend. Programme bewiesen mathematische Theoreme. Schachcomputer schlugen Amateur-Spieler. Expertensysteme diagnostizierten Krankheiten. Die Euphorie war groß: Noch zehn, zwanzig Jahre, dann hätten wir „denkende“ Maschinen.
Die Grenzen der symbolischen KI
Aber die Grenzen zeigten sich bald. Schach ist ein geschlossenes System mit klaren Regeln - da sind Computer gut. Aber die „offene Welt“ ist anders. Ein Kind erkennt mühelos ein Gesicht, versteht eine Geschichte, bewegt sich durch einen Raum. Für Computer waren das unlösbare Probleme.
Das „Rahmenproblem“ wurde zentral: Wie weiß ein System, was sich ändert und was gleich bleibt, wenn es handelt? Wenn ich eine Tasse bewege, bleibt der Raum gleich, aber die Position der Tasse ändert sich. Das ist für Menschen trivial. Für symbolische KI war es ein Albtraum: Man müsste explizit angeben, was sich nicht ändert - und das ist potentiell unendlich.
Hubert Dreyfus, Philosoph und Heidegger-Kenner, kritisierte die symbolische KI fundamental: Sie verfehlt, was Intelligenz eigentlich ist. Intelligenz ist nicht Symbolmanipulation, sondern verkörpertes In-der-Welt-Sein. Der Körper, die Situation, der Kontext - all das geht in der symbolischen KI verloren.