Klaus Hartmann – Der kategoriale Ansatz (1925-1991)
Dieser Text ist eine Vorschau auf Geschichte der Hegelrezeption, Band II, der 2026 bei Reflexivity Press erscheint.
Neben der philologischen Schule entwickelte Klaus Hartmann in den 1970er Jahren einen anderen Zugang: die „kategoriale Rekonstruktion“ oder „nicht-metaphysische“ Hegel-Interpretation.[1]
Hartmanns Grundthese war einfach: Hegel ist kein Metaphysiker im traditionellen Sinne. Die Logik ist keine Beschreibung übersinnlicher Entitäten, sondern eine systematische Analyse von Kategorien – von Denkbestimmungen, die zugleich Strukturen der Wirklichkeit sind. Hartmann nannte dies die „ontologische Option“: Ontologie ohne Substrate, Kategorien ohne Metaphysik.
Dieser Ansatz machte Hegel für die analytische Philosophie anschlussfähig. Hartmanns Aufsatz „Hegel: A Non-Metaphysical View“ (1976) wurde international einflussreich und ebnete den Weg für spätere Interpreten wie Robert Pippin und die Pittsburgh School.
Hartmanns Methode war die „Stringenzprüfung“: Jeden Übergang auf seine logische Validität prüfen, nicht Hegel nachbeten, sondern fragen: Hält die Ableitung? Das unterschied ihn von bloßer Philologie – er wollte nicht nur verstehen, was Hegel meinte, sondern ob Hegel recht hatte.
Die vollständige Entfaltung dieses Ansatzes – einschließlich seiner Stärken im subjektiven Begriff und seiner Schwierigkeiten in der Objektivitätslogik – dokumentiert Hartmanns posthum erschienenes Hauptwerk Hegels Logik (1999). Da dieses Werk erst nach dem Zeitraum dieses Bandes erschien und die systematische Wende der 1990er Jahre wesentlich prägte, wird es ausführlich in Geschichte der Hegel-Rezeption, Band III, Kapitel 18 (geplant) behandelt. —
Klaus Hartmann: „Hegel: A Non-Metaphysical View“, in: Alasdair MacIntyre (Hg.): Hegel: A Collection of Critical Essays, Notre Dame: University of Notre Dame Press 1976, S. 101-124. Das posthume Hauptwerk: Hegels Logik, hg. von Olaf Müller, Berlin: de Gruyter 1999. ↩︎