Formell

Hegel (Kernbegriff)

Ein Prädikat, mit dem Hegel eine Bestimmung als abstrakt kennzeichnet: als Form ohne entwickelten Inhalt. Am deutlichsten an der Möglichkeit: *Formell* möglich ist alles, was sich nicht widerspricht. "Es gibt daher kein leereres Reden als das von solcher Möglichkeit" (Enz. § 143 Anm.). Je weniger einer "die bestimmten Beziehungen der Gegenstände kennt", desto eher ergeht er sich "in allerhand leeren Möglichkeiten" (§ 143 Zus.). Das Heilmittel ist kein Appell zur Entschlossenheit: Die leere Möglichkeit entsteht, wenn man nicht in den Inhalt hineingegangen ist. Ihr Gegenbegriff ist die *reale* Möglichkeit. Bei den Potenzen heißt die Erhebung über das Quadrat hinaus "eine formelle Fortsetzung" (TWA 5, 241): formell in Bezug auf die Frage, welche Unterschiede der Begriff der Zahl darbietet, nicht in Bezug auf die Mathematik (siehe Potenz). Weiterführung: Die Unterscheidung ist politisch brauchbar. Formell ist in einer Demokratie jeder frei, das höchste Amt zu erreichen; real sind die Zugangsbedingungen hochselektiv. Wer formale Gleichheit für reale hält, betreibt Ideologie (Kap. 8.5).

Nicht gemeint

Nicht "formell" im Sinne von förmlich oder höflich. Und nicht einfach falsch oder wertlos: Das Formelle ist ein Moment, das sein Recht hat --- die formelle Möglichkeit ist die erste Stufe der Modalität ---; es reicht nur nicht hin, wenn es für die ganze Sache genommen wird.

Bei Hegel

Enz. §143 (formelle Möglichkeit)

Querverweise

Möglichkeit; Wirklichkeit; Formalismus; Form

Nicht gemeint

Nicht "formell" im Sinne von förmlich oder höflich. Und nicht einfach falsch oder wertlos: Das Formelle ist ein Moment, das sein Recht hat --- die formelle Möglichkeit ist die erste Stufe der Modalität ---; es reicht nur nicht hin, wenn es für die ganze Sache genommen wird.

In den ersten auflagen

1817 §§ 91-92

Im kommentar zu hegels logik

[[kleine-logik:2.6]], [[kleine-logik:7.4]], [[kleine-logik:8.2]], [[kleine-logik:8.5]]

Systematischer ort

1232 --- Wesen → Wirklichkeit → Wirklichkeit als solche