Kommentar zur Logik, Kapitel 15

Was haben wir erreicht?

Kapitel Form Struktur Funktion
Kap. 9 Der Begriff A-B-E Selbstbestimmung
Kap. 10 Das Urteil S ist P Explikation
Kap. 11 Der Schluss E-B-A Begründung

Die Selbstanwendung: Die Schlusslehre schließt über Schlüsse, die Urteilslehre urteilt über Urteile, die Begriffslehre begreift den Begriff.

Wissenschaft als System statt Aggregat

Drei negative Bestimmungen — was Wissenschaft nicht ist: (1) Nicht ein abstraktes Prinzip (Alles ist Energie, Alles ist dialektisch — solche Prinzipien sagen alles und daher nichts). (2) Nicht bloßes Aufzählen von Unterschieden (Daten ohne Zusammenhang sind Information, kein Wissen). (3) Nicht eine Urteilsreihe ohne Vermittlung (wahre Einzelurteile, die beziehungslos nebeneinanderstehen). Sondern: Wissenschaft ist der gedankliche Nachvollzug der ihre Unterschiede hervorbringenden Einheit der Sache. Hegel: Die Wissenschaft ist “wesentlich System, weil das Wahre als konkret nur als sich in sich entfaltend und in Einheit zusammennehmend und -haltend, d. i. als Totalität ist” (Enzyklopädie Bd. 1, § 14). Wer die Strukturen der Kapitel 9, 10, 11 und 12 beherrscht, hat die Methode der Wissenschaft — nicht als Rezept, sondern als Form des Denkens selbst. [KF]

Praktische Werkzeuge aus der Begriffslogik

Drei Werkzeuge für die Wahrheitssuche:

Werkzeug 1 — Die drei Begriffsformen bewusst nutzen: Für jedes Problem: (a) Der Begriff — bewegen Sie sich auf allen drei Ebenen: Allgemeines (Was ist das Prinzip?), Besonderes (Wie zeigt es sich konkret?), Einzelnes (Dieser Fall, hier und jetzt). (b) Das Urteil — formulieren Sie bestimmte Behauptungen (nicht “X ist so ähnlich wie Y”, sondern “S ist P”) und prüfen Sie die Urteilsform. © Der Schluss — begründen Sie: Welche Vermittlung verbindet die Urteile? (d) Der Zweck — wo es um Verhältnisse geht, fragen Sie nicht nach der Figur, sondern nach dem Maßstab: Wozu dient das Mittel, und taugt es dafür (Kap. 11.9a)?

Werkzeug 2 — Ebenen unterscheiden (ausgeführt in Systematisches Denken, Kapitel 16): Reden wir über Denkformen (Metaebene: “Das ist ein kategorisches Urteil”) oder über Sachverhalte (Objektebene: Gold leitet)? Viele Diskussionen scheitern an der Vermischung. Besonders gefährlich: Formale Vollständigkeit (Schlusssystem) mit moralischer Legitimität verwechseln.

Werkzeug 2a — Vorgriff und Ergebnis auseinanderhalten: Wenn Sie einen anderen verstehen wollen, fragen Sie sich: Weiß ich das, oder leite ich es ab? Was Sie aus Herkunft, Schule, Lager oder Milieu erschließen, ist ein Vorgriff — brauchbar zum Anfangen, revidierbar in jedem Schritt. Was der andere wirklich denkt, erfahren Sie nur, indem Sie fragen und die Antwort gelten lassen. Praktische Probe: Können Sie seine Position so formulieren, dass er sie als die seine wiedererkennt? Wenn nicht, kritisieren Sie eine Ableitung (Kap. 9.4b und 9.7). [KF]

Werkzeug 3 — Übergang zur Objektivität vollziehen: Gedanken werden real, wenn wir handeln; Theorien werden intersubjektiv, wenn andere sie übernehmen; Begriffe strukturieren unsere Erfahrung. Prüfen Sie: Bleibt Ihr Denken nur subjektiv — oder bewährt es sich an der Wirklichkeit? [KF]

Warum vier Urteilsformen, aber drei Schlussformen?

Eine Frage, die sich beim Rückblick stellt: Das Urteil hatte vier Klassen, der Schluss hat drei. Wer nach einem starren Schema sucht, ist irritiert. Hegel gibt selbst eine Auskunft, und sie zeigt, dass er die Dreiheit nicht mechanisch anwendet.

Die Urteilsarten entsprechen den Stufen des Seins, des Wesens und des Begriffs, und die zweite ist “dem Charakter des Wesens, als der Stufe der Differenz, entsprechend noch wieder in sich gedoppelt” (Enzyklopädie Bd. 1, § 171 Zus.). Reflexions- und Notwendigkeitsurteil gehören also beide zum Wesen; die Vierzahl ist eine gedoppelte Dreiheit. Dieser Kommentar liest dasselbe von der Aufgabe des Urteils her: Das Urteil braucht vier, weil es die erste Auseinandersetzung des Begriffs mit sich selbst ist. Es durchläuft die drei Seiten, die jeder logischen Bestimmung zukommen — Unmittelbarkeit (Daseinsurteil), Reflexion (Reflexionsurteil), Vermittlung (Notwendigkeitsurteil) — und ist damit noch nicht bei sich: Es hat sich expliziert, aber nicht geprüft, ob das Explizierte dem Begriff entspricht. Das tut erst das vierte, das Begriffsurteil. [KF]

Der Schluss braucht drei, weil er nicht mehr expliziert, sondern vermittelt. Seine Aufgabe ist die Mitte, und Mitten gibt es genau drei — Allgemeines, Besonderes, Einzelnes. Eine vierte Form wäre keine neue Mitte. Dabei kreuzen sich zwei Gliederungen, die man nicht verwechseln sollte. Die Schlussklassen (Dasein, Reflexion, Notwendigkeit) verbindet Hegel mit den Mitten nur “nach den bloß abstrakten Bestimmungen genommen”: Der Reflexionsschluss hat die Einzelheit, der Notwendigkeitsschluss das Allgemeine zur Mitte (Enzyklopädie Bd. 1, § 191). Innerhalb jeder Klasse kehren die drei Mitten wieder — im Notwendigkeitsschluss als Art im kategorischen, als unmittelbares Einzelnes im hypothetischen, als Totalität der Besonderungen im disjunktiven Schluss (ebd.). Dass es von beiden genau drei gibt, hat denselben Grund: Die Vermittlung hat drei mögliche Stellen. Dazu Hegels Urteil über die Schultradition: Aristoteles kenne mit Recht nur drei Figuren, “die vierte ist ein überflüssiger, ja selbst abgeschmackter Zusatz der Neueren” (§ 187 Anm.). Historisch trifft das nicht: Die vierte Figur wird seit der Antike Galen zugeschrieben, die indirekten Modi gehen auf Theophrast zurück. Die systematische Pointe bleibt davon unberührt, denn sie hängt an der Zahl der Mitten, nicht am Alter der Figur. [KF]

Die Zahl folgt also jeweils aus der Sache, nicht aus einem Bauplan. Hegel selbst nennt die Triplizität “ganz nur die oberflächliche, äußerliche Seite der Weise des Erkennens” und lässt zu, statt ihrer “die abstrakte Form als eine Quadruplizität” zu zählen (TWA 6, 564). Wer die A-B-E-Struktur oder die Dreiheit als Schema nimmt, das Hegel anwendet, wird an dieser Stelle das Falsche erwarten.

Was die Beispiele verraten

Ein Blick zurück auf die Beispiele dieser vier Kapitel: “Die Rose ist rot”, “Alle Menschen sind sterblich”, “Gold ist ein Metall”, der Staat. Keines davon kommt aus der Logik. Es sind die klassischen Beispiele der Logiklehrbücher seit Aristoteles, und Hegel gebraucht sie wie alle anderen.

Die Logik, in der der Begriff sich selbst begreift, ist die Ausnahme — die Regel ist die Anwendung auf Rosen, Menschen, Staaten. Die Beispiele verraten damit, was die Logik stillschweigend voraussetzt: dass Begriffe sich auf Begriffenes beziehen, und zwar vor allem auf solches in einer Welt, die nicht die Logik selbst ist. [KF]

Genau das ist der Grund, warum der subjektive Begriff nicht genügt.

Wieviel Schlusslehre nötig ist — Hegels eigene Auskunft

Die Schlusslehre lässt sich beliebig weit treiben, und die Tradition hat das getan. Hegel selbst sagt, wo die Grenze liegt, und seine Auskunft ist entschieden.

Die drei Figuren hätten “einen sehr gründlichen Sinn, der auf der Notwendigkeit beruht, daß jedes Moment als Begriffsbestimmung selbst das Ganze und der vermittelnde Grund wird” (Enzyklopädie Bd. 1, § 187 Anm.). Damit ist die Sache gesagt, in einem Satz. Was darüber hinausgeht — welche Bestimmungen die Sätze haben müssen, ob universell oder negativ, damit in den verschiedenen Figuren ein richtiger Schluss herauskommt —, nennt er “eine mechanische Untersuchung, die wegen ihres begrifflosen Mechanismus und ihrer inneren Bedeutungslosigkeit mit Recht in Vergessenheit gekommen ist”.

Sein Argument dafür ist historisch und trifft: Man könne sich am wenigsten auf Aristoteles berufen, der die Figuren zuerst beschrieben hat. Denn er sei “so weit entfernt, die Form des Verstandesschlusses zur Grundlage und zum Kriterium machen zu wollen, daß man sagen könnte, es würde wohl auch nicht ein einziger dieser Begriffe haben entstehen oder belassen werden können, wenn er den Verstandesgesetzen unterworfen werden sollte”. Wer die Schlussfiguren zum Maßstab macht, kann nicht einmal die Begriffe bilden, mit denen ihr Erfinder gearbeitet hat.

Dieser Kommentar hält sich daran. Die Permutation ist entwickelt (Kap. 11.3 und 11.5), ihre Grenze an einem Beispiel gezeigt und ihr begrenzter Ertrag benannt (11.9a). Das genügt — und es genügt gerade für das, worauf es ankommt: Von hier an gebraucht Hegel die Schlussform immer wieder an Gegenständen, ohne sie noch zu erklären. Der Mechanismus des Planetensystems, das Leben mit seinen drei Prozessen, der Staat — überall stehen drei Momente, von denen jedes einmal die Mitte bildet. Wer die Figur kennt, liest diese Passagen als Anwendung; wer sie nicht kennt, hält sie für Bildersprache. [KF]

Was noch fehlt: Die Frage der Objektivität

Am Ende der Schlusslehre ist erfüllt, was die Figuren gefordert hatten: Jedes Moment hat sich “selbst als die Totalität der Momente, somit als ganzer Schluß erwiesen” (Enzyklopädie Bd. 1, § 192). Damit ändert sich die Lage. Solange die Momente einander vermitteln, ist jedes nur durch ein anderes. Ist aber jedes selbst das Ganze, so bedarf die Vermittlung keines Dritten mehr; sie hebt sich auf, und das Schließen wird “eine Vermittlung durch Aufheben der Vermittlung und ein Zusammenschließen des Subjekts nicht mit Anderem, sondern mit aufgehobenem Anderen, mit sich selbst” (ebd.). Was so entsteht, ist eine Einheit, die unmittelbar ist, weil sie ihre Vermittlung ganz in sich hat. Hegel: “Diese Realisierung des Begriffs, in welcher das Allgemeine diese eine in sich zurückgegangene Totalität ist, deren Unterschiede ebenso diese Totalität sind und die durch Aufheben der Vermittlung als unmittelbare Einheit sich bestimmt hat, ist das Objekt” (§ 193).

Der Name ist genau gewählt. Unter einem Objekt versteht man, wie Hegel in der Anmerkung sagt, nicht irgendein Seiendes, sondern “ein konkretes, in sich vollständiges Selbständiges; diese Vollständigkeit ist die Totalität des Begriffs” (ebd., Anm.). Hegel fasst die Bewegung, die mit dem Urteil begann (“die nächste Realisierung des Begriffs”, TWA 6, 301), am Ende der Schlusslehre zusammen: “Damit ist der Begriff überhaupt realisiert worden; bestimmter hat er eine solche Realität gewonnen, welche Objektivität ist” (TWA 6, 400). So gelesen hat der Begriff nicht etwas außer sich hervorgebracht, sondern die Form gewonnen, in der seine Momente selbständig dastehen. [KF]

Die große Logik zeigt genauer, warum gerade der disjunktive Schluss diesen Schritt tut. Seine Mitte ist die Gattung in der Totalität ihrer Arten. Sie “enthält […] selbst die beiden Extreme in ihrer vollständigen Bestimmtheit”, und darum ist er “ebensosehr kein Schluß mehr” (TWA 6, 398): “Das, was vermittelt ist, ist selbst wesentliches Moment seines Vermittelnden” (TWA 6, 399). Vermittlung war nötig, solange jedes Glied “nur vermittels eines Anderen ist”. Hebt sie sich auf, so ist das Resultat “eine Sache, die an und für sich ist, — die Objektivität” (TWA 6, 401). Worauf das Begründen zuletzt zurückgeht, ist also kein weiterer Satz, der wieder einen Schluss verlangte, sondern die gegliederte Sache selbst.

Hegel räumt selbst ein, dass dieser Übergang “fremdartig” wirken kann, “besonders wenn man nur den Verstandesschluß und das Schließen als ein Tun des Bewußtseins vor sich hat” (§ 193 Anm.). Marx hat in der Rede vom Begriff, der sich objektiviert, die Mystifikation gesehen, die den Denkprozess zum selbständigen Subjekt macht (ausgeführt in Hegel und Marx). Der gedruckte Übergang braucht dieses Subjekt nicht; er folgt aus dem Ergebnis der Schlusslehre, und “Realisierung” heißt hier, was Kap. 8a.2 gesagt hat: in bestimmtes Dasein treten. [KF]

Dasselbe im Kolleg. In der Vorlesung von 1825 sagt Hegel dasselbe mündlich. Der Begriff vollende seine Bestimmung im Schluss dadurch, “daß jedes Moment selbst die ganze Totalität ist; in seiner Vollendung also macht sich der begriff zum Object”.[1] Das erfüllt, was die Permutation gefordert hatte (Kap. 11.3): Am Ende ist jedes der drei Momente einmal die Mitte gewesen und damit selbst das Ganze.

Und nun der Schritt: Solange die Momente nur ideell gesetzt sind — “in der Subjectivität, in mir” —, sind sie durchsichtig und unterscheidbar. Ist aber “jedes zur Totalität entwickelt”, so ist “jedes Moment Selbstständigkeit”, und damit ist “ihre Verschiedenheit vergangen”. Selbständige Momente aber sind nicht mehr bloße Gedankenbestimmungen; was sie verbindet, ist das Objekt. Hegel schließt: “Das ist der wahrhafte Uebergang in das Object.”[1:1]

Er sagt das unmittelbar nach der Kritik des ontologischen Gottesbeweises. Dessen Fehler sei, dass er ein Vergleichen anstellt zwischen dem Begriff Gottes und dem, was wir als das Vollkommenste denken — und dabei voraussetzt, “daß der begriff objectiv sei”. Was der Beweis voraussetzt, muss die Logik erst herstellen. Der Übergang zur Objektivität ist die Stelle, an der sie es tut.

Zwei Erläuterungen dieses Kommentars machen dasselbe von der anderen Seite her sichtbar: am Inhalt, den der Begriff braucht, und an der Differenz, ohne die das Denken nicht auskommt. [KF]

Erste Erläuterung: Der disjunktive Schluss fordert die Besonderheiten. Er hat die Form “A ist entweder B oder C oder D” — das Allgemeine zerlegt sich in seine Besonderheiten. Er funktioniert nur, wenn man diese Besonderheiten kennt: “Dieses Dreieck ist entweder gleichseitig oder gleichschenklig oder ungleichseitig” trägt, weil wir die drei Arten kennen. Ein Allgemeines ohne Besonderheiten wäre leer, der Schluss ohne Inhalt.

Angewandt auf das Erreichte: Die Kapitel 9, 10 und 11 haben den Begriff des Begriffs entwickelt — die A-B-E-Struktur, das Urteil, den Schluss. Jeder konkrete Begriff, ob Baum, Gerechtigkeit oder Elektron, hat diese Struktur. Aber damit ist gesagt, wie Begriffe gebaut sind, nicht welche es gibt. Der Begriff des Begriffs ist das Allgemeine und braucht seine Besonderungen — genau das, was der disjunktive Schluss verlangt und die subjektive Logik nicht liefert. Hegel selbst sieht es anders: Im disjunktiven Schluss ist die Form schon “identisch mit jenem gediegenen Inhalte” (TWA 6, 399); dass der Inhalt der Einteilung erst gewonnen werden muss, ist die Lesart dieses Kommentars. [KF]

Zweite Erläuterung: Das Denken braucht die Differenz. Im subjektiven Begriff begreift das Denken sich selbst. Das ist nicht wenig, aber es kann dabei nicht stehenbleiben, und zwar aus einem Grund, der in der Wesenslogik schon entwickelt wurde: Die setzende Reflexion (A = A) musste zur äußeren (Non-A) und zur bestimmenden fortschreiten. Auch das Urteil expliziert den Begriff nur, indem es Subjekt und Prädikat unterscheidet. Denken ist immer auch Denken von anderem.

Ohne diese Differenz bliebe der Begriff in dreifacher Hinsicht defizient: logisch — der disjunktive Schluss bliebe leer; wesenslogisch — es gäbe nur setzende, keine bestimmende Reflexion; praktisch — nur Selbstbezug, kein Weltbezug. Zum vollständigen Begriff gehört also das, worauf er sich bezieht. [KF]

Der subjektive Begriff gleicht einem Architekten mit vollkommenem Bauplan, der nie eine Baustelle betreten hat: Das Bild trifft den Mangel, die beiden Erläuterungen sagen, woran er sich zeigt, und Hegels Übergang sagt, warum er sich aufhebt. [KF]

Die entscheidende Unterscheidung: Kapitel 9, 10, 11 und 12 behandeln die Form des Begriffs (A-B-E, Urteil, Schluss). Ab Kapitel 12a geht es um das Verhältnis von Form zu Inhalt — bei Hegel darum, wie die selbständig gewordenen Momente zusammenhängen, in der Lesart dieses Kommentars zugleich darum, wie die Begriffsstrukturen sich in der Erfahrung von Objektivität wiederfinden. Das gehört noch zur Logik, weil Mechanismus, Chemismus, Teleologie Denkformen sind — Formen, wie über Natur und Geist gedacht wird. Für Hegel heißt das nicht, dass sie nur im Denken wären: Die logischen Formen sind “objektive Gedanken” (Enzyklopädie Bd. 1, § 24), Mechanismus, Chemismus und Teleologie also Weisen, wie Objekte selbst zusammenhängen. Sie sind aber spezifischer als die allgemeinen Kategorien. [KF]

Aber Vorsicht: Die Korrespondenztheorie (Begriff im Kopf, Wirklichkeit da draußen, Wahrheit = Übereinstimmung) ist nicht Hegels Lösung. Ihre stärkste Fassung verlangt nicht, dass man aus dem eigenen Denken heraustritt: Sie sagt, was Wahrheit ist, und überlässt die Prüfung anderen Verfahren. Hegel setzt tiefer an. Dass äußerliche Dinge meinen Vorstellungen entsprechen, ergibt für ihn “nur richtige Vorstellungen, die Ich Dieser habe”; die Wahrheit ist, “daß die Objektivität dem Begriffe entspricht” (Enzyklopädie Bd. 1, § 213 Anm.) — ein Verhältnis in der Sache, nicht zwischen Kopf und Welt. Die Lesart dieses Kommentars: Die kategorialen Strukturen, die wir im Denken entwickeln, finden sich auch in der Erfahrung von Objektivität wieder. Nicht weil der Begriff die Welt erschafft, sondern weil Erkenntnis immer begrifflich strukturiert ist — und die Welt sich als erkennbar erweist. Das muss gezeigt werden — und genau das geschieht in Kapitel 13, 14 und 15. [KF]

Methodische Selbstkritik: Was bleibt problematisch? (1) Ist der subjektive Begriff wirklich vollständig — gibt es noch andere Formen? (2) Wie verhält sich diese Logik zu formaler Logik (Aussagenlogik), Modallogik (Logik des Möglichen/Notwendigen), dialogischer Logik (Logik als Streitgespräch)? (3) Leistet die Permutation der Schlussfiguren mehr als eine Darstellung? (Kap. 11.9a verneint das.) Ehrliche Antwort: Die drei Formen (Begriff, Urteil, Schluss) ergeben sich bei Hegel aus der Selbstbestimmung des Begriffs — aber Vollständigkeit können wir nicht beweisen, nur zeigen, dass keine Lücke gefunden wurde. [KF]

Teil 3.2: Die Objektivität — Wenn der Begriff auf Widerstand trifft

Worum geht es? Am Ende der Schlusslehre stehen die Momente des Begriffs je als Ganzes und selbständig da (Kap. 12.7). Die Objektivitätslehre untersucht, wie solche selbständigen Ganzen zusammenhängen: als Maschine, als wechselseitige Beziehung oder als zweckmäßiges Ganzes. Die meisten Probleme entstehen dort, wo man die falsche Form verwendet.


  1. Vorlesungen über die Wissenschaft der Logik, Nachschrift Kehler, Kolleg 1825, zu § 140 f.: GW 23.1, S. 393. ↩︎ ↩︎