Der Krebs-Einwand als Übergangsgrund
Das blinde Leben kann nicht zwischen legitimer und parasitärer Selbsterhaltung unterscheiden. Der Krebs erfüllt formal alle S³-Kriterien — er differenziert sich (Metastasen bilden eigene Blutversorgung), erhält sich (gegen das Immunsystem), pflanzt sich fort (Metastasierung) — aber zerstört dabei den Organismus, der ihn trägt. Ebenso können ein faschistisches Regime (differenziert sich in Führungsstäbe, erhält sich durch Terror, reproduziert sich durch Propaganda) oder ein parasitärer Kapitalismus die formalen S³-Kriterien erfüllen und dennoch das Ganze zerstören.
Das zeigt: Leben an sich reicht nicht. Es braucht Erkenntnis, um zwischen Gelingen und Scheitern zu unterscheiden. Ohne Reflexion ist das Leben blind — der Krebs „lebt" auch. Die erste Konsequenz: Die Idee des Lebens allein kann keine Ethik begründen. Sie braucht das Erkennen.