33
Absoluter Geist (Wissen des Göttlichen)
?- 0 Hegels 'System der Wissenschaft'
- 1 Logik (Wissenschaft des Denkens)
- 2 Natur (Wissenschaft des Materiellen)
- 3 Geist (Wissenschaft des Menschlichen)
- 31 Subjektiver Geist (Wissenschaft des Inner-Menschlichen)
- 32 Objektiver Geist (Wissenschaft des Zwischen-Menschlichen)
- 33 Absoluter Geist (Wissen des Göttlichen)
- 331 Kunst (Anschauen der Wahrheit, Ästhetik)
- 332 Religion (Vorstellen der Wahrheit, Theologie)
- 333 Philosophie (Begreifen der Wahrheit)
Der absolute Geist
Kunst, Religion und Philosophie sind bei Hegel dasselbe in drei Weisen: das Wissen des Absoluten von sich selbst. Was sie unterscheidet, ist nicht der Gegenstand, sondern die Form — Anschauen, Vorstellen, Begreifen.
Was jede hat und die anderen nicht
Die Religion hat den unmittelbaren Bezug: das Verhältnis zum Ganzen als gelebte Erfahrung, vor allem Begreifen. Sie spricht in Bildern, und das ist kein Mangel — ein Bild trägt weiter als ein Begriff, solange es geglaubt wird.
Die Kunst hat die sinnliche Gegenwart: das Werk, das man sehen, hören, berühren kann. Die Kathedrale, die Symphonie, das Gedicht. Keine Theorie kann sie ersetzen, weil keine Theorie da ist wie ein Ding.
Die Philosophie hat die begriffliche Durchdringung: die Fähigkeit, das Ganze im Gedanken zu fassen — wissend, daß der Gedanke das Ganze nie vollständig einholt.
Die Reihenfolge ist Genese, nicht Rangordnung
Daß Hegel die Philosophie zuletzt setzt, hat ihm den Vorwurf der Selbstverherrlichung eingetragen. Der Einwand ist alt und nicht erledigt — aber er unterstellt, die Reihenfolge sei eine Rangordnung.
Sie ist eine Genese. Die Religion ist nicht niedriger, weil sie zuerst kommt; die Philosophie nicht höher, weil sie zuletzt steht. Die drei bleiben nebeneinander bestehen und sind aufeinander angewiesen: Theorie ohne Spüren bleibt leer, Spüren ohne Reflexion bleibt blind, Ausdruck ohne beides bleibt stumm.
Die Religion bleibt im Spüren auch dann, wenn die Philosophie sie reflektiert. Die Kunst bleibt im Ausdruck auch dann, wenn die Theorie sie deutet. Die Philosophie bleibt im Begriff auch dann, wenn die Religion ihr Grenzen zeigt.