Häufige Fragen: Hegels Philosophie des Geistes
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Was meint Hegel mit „Geist"?
Nichts Gespenstisches und nichts bloß Innerliches.
Geist ist bei ihm alles, was Menschen miteinander hervorbringen und was auf sie zurückwirkt: Sprache, Recht, Sitte, Kunst, Religion, Wissenschaft. Es ist nicht in einem Kopf, sondern zwischen den Köpfen — und es besteht fort, wenn die einzelnen sterben.
Der englische Begriff mind trifft es deshalb nur halb; spirit klingt zu religiös. Am nächsten kommt vielleicht, was man heute Kultur nennt, wenn man darunter nicht Bräuche versteht, sondern die Formen, in denen Menschen sich selbst bestimmen.
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Was heißt Anerkennung?
Daß ich nur durch andere zu mir selbst komme.
Ein Mensch weiß nicht aus sich, wer er ist. Er erfährt es daran, wie andere ihn behandeln — und die anderen ebenso an ihm. Selbstbewußtsein ist deshalb kein Verhältnis zu sich allein, sondern eines, das über andere läuft.
Die berühmte Passage über Herr und Knecht führt das an einem Mißverhältnis vor: Wer den anderen unterwirft, bekommt Anerkennung von jemandem, dessen Anerkennung nichts gilt — und geht dabei leer aus. Der Knecht dagegen bildet sich an der Arbeit und gewinnt, was der Herr verliert.
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Was ist der Unterschied zwischen Moralität und Sittlichkeit?
Moralität ist, was ich für richtig halte. Sittlichkeit ist, was gilt.
Kants Moralphilosophie fragt, was ich wollen kann, ohne mir zu widersprechen — sie prüft die Absicht. Hegel hält das für nötig und für zu wenig: eine Gesinnung, die sich nirgends verwirklicht, bleibt leer, und wer nur seinem Gewissen folgt, hat kein Kriterium außer sich.
Sittlichkeit ist die Gestalt, die das Gute in Institutionen angenommen hat: Familie, bürgerliche Gesellschaft, Staat. Dort ist das Richtige nicht bloß gemeint, sondern eingerichtet — und deshalb auch kritisierbar.
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Vergöttert Hegel den Staat?
Der Satz, auf den sich der Vorwurf stützt, steht in der Rechtsphilosophie und lautet anders, als er zitiert wird.
Hegel schreibt, der Staat sei „der Gang Gottes in der Welt". Gemeint ist nicht dieser oder jener Staat, sondern der Staat als Verwirklichung von Freiheit — und der Satz steht in einem Zusatz, also in einer Vorlesungsnachschrift, nicht im Lehrtext.
Zugleich stimmt: Hegel hält den Staat für höher als das Individuum, weil er Freiheit erst möglich macht. Wer das für gefährlich hält, liegt nicht falsch — die Frage ist, ob die Alternative besser trägt.
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Was ist das „Ende der Geschichte"?
Eine Formel, die Hegel nie gebraucht hat.
Sie stammt von Alexandre Kojève, der in den 1930er Jahren in Paris über die Phänomenologie las, und wurde durch Francis Fukuyama populär. Bei Hegel heißt es, die Weltgeschichte sei der Fortschritt im Bewußtsein der Freiheit — was etwas anderes ist als ihr Ende.
Was zutrifft: Hegel hält das Prinzip der Freiheit für gefunden. Was er nicht behauptet: daß es überall verwirklicht sei oder daß nichts mehr geschehe.
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Warum stehen Kunst, Religion und Philosophie ganz oben?
Weil sie dasselbe zum Gegenstand haben, in drei Formen.
Alle drei handeln nach Hegel vom Absoluten — von dem, was nicht mehr durch anderes bedingt ist. Die Kunst zeigt es sinnlich, die Religion stellt es vor, die Philosophie begreift es. Die Ordnung folgt der Form, nicht dem Wert: die Philosophie ist nicht besser als die Kunst, sondern die Form, in der sich beides ausdrücklich weiß.
Daß Hegel die Philosophie zuletzt setzt, hat ihm den Vorwurf der Selbstverherrlichung eingetragen. Der Einwand ist alt und nicht erledigt.
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Hat Hegel das Ende der Kunst behauptet?
Er hat gesagt, die Kunst sei „nach der Seite ihrer höchsten Bestimmung für uns ein Vergangenes" — und das ist etwas anderes.
Gemeint ist: die Kunst ist nicht mehr die Form, in der eine Gesellschaft ihre höchsten Fragen verhandelt. Im antiken Athen war die Tragödie das; in der Moderne sind es Wissenschaft und Philosophie. Kunst wird weiter gemacht und ist weiter wichtig — nur nicht mehr als das Organ der Wahrheit.
Ob das stimmt, ist eine offene Frage. Die Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts hat sich jedenfalls oft ausdrücklich als Erkenntnis verstanden.
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