List der Vernunft

Hegel (Begriffslogik, Teleologie)

Die List der Vernunft ist die Strategie, durch die Zwecke sich realisieren, ohne dass der Handelnde sich selbst verausgabt. Der Zweck benutzt das Mittel: Er lässt die Objekte nach ihren eigenen Gesetzen wirken (Mechanik, Chemismus) und erreicht dadurch seinen Zweck. Beispiel: Der Mensch benutzt den Hammer (Mittel) nach dessen mechanischen Gesetzen, statt mit bloßer Hand zu schlagen. Die Vernunft ist "listig", weil sie nicht direkt kämpft, sondern die Eigenlogik der Objekte *nutzt*. Das ist keine Theodizee, sondern eine *Strukturbeschreibung*: Der gute Handwerker lernt sein Material kennen. Die *geschichtsphilosophische* Übertragung (Napoleon verwirklicht unbeabsichtigt die Prinzipien der Revolution) ist davon zu unterscheiden — sie kann zur apologetischen Figur werden, wenn sie suggeriert, dass die Vernunft sich kosmisch durchsetzt. Wir argumentieren in Kap. 16.9 gegen die Lesart, die den Menschen zum "Spielball" macht.

Herkunft

Hegel erfindet diesen Begriff. "List" (griech. metis) war schon bei Homer (Odysseus). Hegel: In der Teleologie ist die Vernunft listig — sie arbeitet indirekt. Wird oft auf Geschichte angewandt (List der Weltgeschichte), stammt aber aus der Logik.

Bei Hegel

Enz. §209 (Zusatz); WdL Bd. 2, Teleologie

Querverweise

Zweck · Mittel · Teleologie · Mechanismus · Objektivität · Begriff