Spekulation / spekulativ

Hegel (Methode)

Spekulativ heißt bei Hegel nicht "vermutend" und nicht "über die Erfahrung hinausgreifend", sondern es bezeichnet das dritte Moment jedes logischen Gedankens --- nach dem verständigen und dem dialektischen. Es schafft den Verstand nicht ab, sondern ist das positive Ergebnis seiner Auflösung: Die Dialektik "hat ein positives Resultat, weil sie einen bestimmten Inhalt hat", denn ihr Resultat ist nicht das leere Nichts, "sondern die Negation von gewissen Bestimmungen" (Enz. § 82 Anm.). Am spekulativen Satz wird das sichtbar. In Hegels Beispiel "Gott ist das Sein" bleibt das Subjekt nicht fest: Es geht in das Prädikat über, und das Denken, das vom Subjekt als festem Grund ausgehen wollte, wird "in seinem Fortlaufen gehemmt"; es erleidet "einen Gegenstoß" (TWA 3, 58 f.). Die Lesart dieses Kommentars: In dieser Hemmung teilt der Inhalt sich mit; wer sie glätten will, verliert ihn. Weiterführung, als Vorsicht: Dass eine Darstellung spekulativ heißt, macht sie nicht wahr. Ein Widerspruch, den man nicht auflösen kann, wird erst zum Motor, wenn sich zeigen lässt, welche bestimmte Einheit aus ihm folgt. Wo das nicht gezeigt wird, ist "spekulativ" ein Wort für fehlendes Argument.

Nicht gemeint

Nicht die "Synthese" eines Schemas These --- Antithese --- Synthese: Das Spekulative ist kein drittes Glied, das zu zwei fertigen hinzukommt, sondern "das Affirmative, das in ihrer Auflösung und ihrem Übergehen enthalten ist" (§ 82). Und nicht das Unbegreifliche: Hegel setzt das Spekulative dem gleich, was früher das Mystische hieß, und nennt dieses geheimnisvoll, "jedoch nur für den Verstand" (§ 82 Zus.).

Bei Hegel

Enz. §§ 79-82, besonders § 82: "Das Spekulative oder Positiv-Vernünftige faßt die Einheit der Bestimmungen in ihrer Entgegensetzung auf, das Affirmative, das in ihrer Auflösung und ihrem Übergehen enthalten ist." Zum spekulativen Satz: *Phänomenologie des Geistes*, Vorrede (TWA 3, 57-61).

Querverweise

Dialektik; Verstand und Vernunft; Widerspruch; Methode; Aufhebung

Nicht gemeint

Nicht die "Synthese" eines Schemas These --- Antithese --- Synthese: Das Spekulative ist kein drittes Glied, das zu zwei fertigen hinzukommt, sondern "das Affirmative, das in ihrer Auflösung und ihrem Übergehen enthalten ist" (§ 82). Und nicht das Unbegreifliche: Hegel setzt das Spekulative dem gleich, was früher das Mystische hieß, und nennt dieses geheimnisvoll, "jedoch nur für den Verstand" (§ 82 Zus.).

In den ersten auflagen

1817 §§ 13-16

Im kommentar zu hegels logik

[[kleine-logik:5.5]]