Kommentar zu Hegel und Marx, Kapitel 7
4. Was Marx trifft
Die Diktion erzeugt einen Schein, und der Schein hat Folgen. Sie lässt die Philosophie als Erkenntnis einer Instanz erscheinen, der die Wirklichkeit nachgeordnet ist; wer so liest, findet bei Hegel eine Welt, die von einem Begriff hervorgebracht wird. Dass diese Lesart das Anliegen verfehlt, ändert nichts daran, dass Hegels eigene Formulierungen sie tragen — und Marx hält ihm das mit Recht vor.
Der zweite Punkt trifft tiefer. Hegel neigt dazu, die vollständige begriffliche Erkenntnis eines Gegenstands für dessen Versöhnung zu nehmen. Dass sich der moderne Staat in seiner Notwendigkeit begreifen lässt, heißt bei ihm gelegentlich, dass dieser Staat die Vernunft verwirklicht habe. Damit fällt zusammen, was auseinandergehört: die Aufgabe, die eine Institution zu erfüllen hätte, und die Frage, ob sie sie erfüllt. Wer beides zusammenfallen lässt, hat aus einem Maßstab eine Beschreibung gemacht und kann mit dem Maßstab nichts mehr messen.
Der dritte Punkt ist der handgreiflichste. Hegel übernimmt Bestimmungen der preußischen Verfassung seiner Zeit — die konstitutionelle Erbmonarchie, die ständische Gliederung, die Rolle der Beamtenschaft — und gibt ihnen im Gang der Darstellung den Anschein begrifflicher Notwendigkeit. Marx zeigt an einzelnen Paragraphen, wie das geschieht, und er zeigt es überzeugend. Was aus der Empirie stammt, erscheint als abgeleitet.
Dazu kommt eine methodische Beobachtung, die über den Anlass hinausreicht:
„Wichtig ist, daß Hegel überall die Idee zum Subjekt macht und das eigentliche, wirkliche Subjekt, wie die ‚politische Gesinnung’, zum Prädikat. Die Entwicklung geht aber immer auf Seite des Prädikats vor."
Die wirkliche Bewegung findet bei den wirklichen Verhältnissen statt. Das ist richtig, und es ist ein Satz, den Hegel unterschreiben müsste, wenn er von seiner Diktion absähe.