Die Verwirklichung der Postmoderne

Der jüngste Punkt des Systems — und der einzige, an dem eine philosophische Position nicht mehr bloß vertreten, sondern gesellschaftlich wirksam wird. Die Auswahl ist strittiger als anderswo; wir nennen die Gründe.

Eine Lehre, die sagt, keine Erzählung trage mehr, ist zunächst eine These unter Fachleuten. Sie wird etwas anderes, sobald sie Verwaltungen, Redaktionen und Schulen erreicht. Was dort ankommt, ist selten die These und meist ihre Kurzform.

Was sich zeigt

Die Fragmentierung des Allgemeinen. Wo kein Allgemeines mehr gilt, tritt die Zugehörigkeit an seine Stelle. Der Anspruch wird nicht mehr damit begründet, daß er für alle gilt, sondern damit, wer ihn erhebt. Das hat einen wahren Kern — die Wendung des Verdachts hat gezeigt, daß Allgemeinheit erschlichen sein kann. Es hat auch eine Folge: aus einem Einwand gegen falsche Allgemeinheit wird ein Einwand gegen Allgemeinheit.

Die Moral ohne Grund. Merkwürdig ist die Verbindung, die dabei entsteht: ein Denken, das jede Letztbegründung bestreitet, tritt mit unbedingter moralischer Gewißheit auf. Das ist kein Widerspruch aus Nachlässigkeit. Wo kein Grund mehr angegeben werden kann, bleibt für die Geltung nur noch die Entschiedenheit, mit der sie behauptet wird.

Der Verlust der Tatsache. Und weil das für alle Seiten gilt, kehrt der Verdacht dorthin zurück, wo dieser ganze Ast begonnen hat: bei der Tatsache. Was Comte für das Festeste hielt, ist am Ende das Strittigste.

Warum das hier steht

Nicht, um eine Zeitkritik zu führen. Sondern weil sich an dieser Stelle etwas zeigt, was sich sonst nur behaupten ließe: daß die Grenze, an die jeder der drei Wege stößt, keine bloß theoretische ist.

Was daraus folgt, ist nicht die Rückkehr zu einer Autorität. Es ist die Frage, ob sich Allgemeinheit denken läßt, die das Besondere nicht auslöscht — die Frage, um die es bei Hegel von Anfang an ging, und der Grund, warum die Rückkehr zum Grund nicht bloß eine Gegenbewegung ist.