33333323333
[Die Verwirklichung der Postmoderne]
?- 0 Hegels 'System der Wissenschaft'
- 1 Logik (Wissenschaft des Denkens)
- 2 Natur (Wissenschaft des Materiellen)
- 3 Geist (Wissenschaft des Menschlichen)
- 31 Subjektiver Geist (Wissenschaft des Inner-Menschlichen)
- 32 Objektiver Geist (Wissenschaft des Zwischen-Menschlichen)
- 33 Absoluter Geist (Wissen des Göttlichen)
- 331 Kunst (Anschauen der Wahrheit, Ästhetik)
- 332 Religion (Vorstellen der Wahrheit, Theologie)
- 333 Philosophie (Begreifen der Wahrheit)
- 3331 Philosophie der Antike (Wissen der Idee)
- 3332 Philosophie des Mittelalters
- 3333 Philosophie der Neuzeit (Sichwissen der Idee)
- 33331 Einigungsansätze von Denken und Sein
- 33332 Verstandesphilosophie der Neuzeit
- 33333 [Die moderne Philosophie]
- 333331 [Das Ich als Grund]
- 333332 [Das Absolute als Grund]
- 333333 [Jenseits Hegels]
- 3333331 [Das Gegebene]
- 3333332 [Der Verdacht]
- 3333333 [Die Rückkehr zum Grund]
- 33333321 [Der Verdacht gegen die Verhältnisse]
- 33333322 [Der Verdacht gegen die Werte]
- 33333323 [Der Verdacht gegen das Bewußtsein]
- 333333231 [Die Lebensphilosophie]
- 333333232 [Freud und die Psychoanalyse]
- 333333233 [Die Dezentrierung des Subjekts]
- 3333332331 [Der Strukturalismus (die Struktur steht fest)]
- 3333332332 [Der Poststrukturalismus (die Struktur ohne Mitte)]
- 3333332333 [Die Postmoderne (die Folgerung auf die Epoche)]
- 33333323331 [Lyotard: das Ende der großen Erzählungen]
- 33333323332 [Baudrillard und Vattimo: Simulation und schwaches Denken]
- 33333323333 [Die Verwirklichung der Postmoderne]
- 333333233331 [Die Fragmentierung des Allgemeinen (Identitätspolitik)]
- 333333233332 [Die Moral ohne Grund]
- 333333233333 [Der Verlust der Tatsache (Post-Truth)]
Die Verwirklichung der Postmoderne
Der jüngste Punkt des Systems — und der einzige, an dem eine philosophische Position nicht mehr bloß vertreten, sondern gesellschaftlich wirksam wird. Die Auswahl ist strittiger als anderswo; wir nennen die Gründe.
Eine Lehre, die sagt, keine Erzählung trage mehr, ist zunächst eine These unter Fachleuten. Sie wird etwas anderes, sobald sie Verwaltungen, Redaktionen und Schulen erreicht. Was dort ankommt, ist selten die These und meist ihre Kurzform.
Was sich zeigt
Die Fragmentierung des Allgemeinen. Wo kein Allgemeines mehr gilt, tritt die Zugehörigkeit an seine Stelle. Der Anspruch wird nicht mehr damit begründet, daß er für alle gilt, sondern damit, wer ihn erhebt. Das hat einen wahren Kern — die Wendung des Verdachts hat gezeigt, daß Allgemeinheit erschlichen sein kann. Es hat auch eine Folge: aus einem Einwand gegen falsche Allgemeinheit wird ein Einwand gegen Allgemeinheit.
Die Moral ohne Grund. Merkwürdig ist die Verbindung, die dabei entsteht: ein Denken, das jede Letztbegründung bestreitet, tritt mit unbedingter moralischer Gewißheit auf. Das ist kein Widerspruch aus Nachlässigkeit. Wo kein Grund mehr angegeben werden kann, bleibt für die Geltung nur noch die Entschiedenheit, mit der sie behauptet wird.
Der Verlust der Tatsache. Und weil das für alle Seiten gilt, kehrt der Verdacht dorthin zurück, wo dieser ganze Ast begonnen hat: bei der Tatsache. Was Comte für das Festeste hielt, ist am Ende das Strittigste.
Warum das hier steht
Nicht, um eine Zeitkritik zu führen. Sondern weil sich an dieser Stelle etwas zeigt, was sich sonst nur behaupten ließe: daß die Grenze, an die jeder der drei Wege stößt, keine bloß theoretische ist.
Was daraus folgt, ist nicht die Rückkehr zu einer Autorität. Es ist die Frage, ob sich Allgemeinheit denken läßt, die das Besondere nicht auslöscht — die Frage, um die es bei Hegel von Anfang an ging, und der Grund, warum die Rückkehr zum Grund nicht bloß eine Gegenbewegung ist.