Kommentar zu Hegel und Marx, Kapitel 25

6. Die Grenze beider

Es gibt eine Einsicht, die keiner von beiden allein hergibt und die für den Gebrauch entscheidend ist.

Die logische Form eines Gegenstands garantiert nicht seine Güte. Ein System kann als Schlusssystem organisiert sein — alle Momente wechselseitig vermittelt, jedes zugleich Voraussetzung und Resultat, das Ganze sich selbst reproduzierend — und dabei strukturell ungerecht. Der Kapitalismus erfüllt die formalen Kriterien eines vernünftigen Systems in beträchtlichem Maß. Die Kreisläufe greifen ineinander, die Reproduktion gelingt, die Koordination von Millionen Tätigkeiten kommt zustande. Und dasselbe System kehrt die Zwecke um, für die es da sein sollte.

Wer die Logik als Werkzeug auf die Ökonomie ansetzt, muss das wissen, sonst wird ihm die gelungene Analyse zur Rechtfertigung. Die Erkenntnis der Form entbindet nicht davon, den Gegenstand auch für sich zu beurteilen. Die Welt ist nicht nur die Verwirklichung einer Ordnung, sondern auch das Andere dieser Ordnung.

Die Stelle, an der das greifbar wird, ist die Zweck-Mittel-Beziehung. Ein System, in dem Menschen zu Mitteln der Vermehrung werden, ist nicht deshalb in Ordnung, weil die Vermehrung logisch stimmig verläuft. Es ist verkehrt, und zwar in einem Sinn, der sich angeben lässt: Das Mittel hat sich über den Zweck gestellt. Das ist die Bestimmung, die Hegel liefert, angewandt auf den Gegenstand, den Marx analysiert hat — und keiner von beiden hat sie in dieser Form ausgesprochen.