Henrichs „Anfang und Methode der Logik" — eine Prüfung

Vorbemerkung

Dieser Aufsatz prüft Dieter Henrichs „Anfang und Methode der Logik" — 1962 als Vortrag auf den Heidelberger Hegeltagen gehalten, 1963 in den Hegel-Studien und später im Sammelband Hegel im Kontext erschienen. Henrich nennt ihn selbst „einen ersten Versuch zu einer Interpretation der Logik, die nicht Thesen berichtet, sondern Gründe für die Organisation eines Textes zu gewinnen sucht".

Er ist der sorgfältigste und sachnächste von Henrichs Aufsätzen zur Logik, und das soll vorweg gesagt sein. Er stützt sich auf echte, repräsentative Hegel-Zitate, nennt die Logik-Darstellungen der Hegel-Schüler beim Namen und hat eine positive These, die etwas Richtiges trifft.

Gerade das macht ihn zum aufschlußreichsten Fall. Denn wo Henrich dem Anfang der Logik am nächsten kommt, wird am deutlichsten sichtbar, an welcher Stelle er sich von ihm abwendet.

1. Was Henrich sieht: der Anfang lässt sich nur via negationis explizieren

Henrichs Leitgedanke trifft etwas Richtiges, und er trifft es genauer als seine späteren Texte. Er fragt, wie sich der Anfang der Logik — das reine Sein als unbestimmte Unmittelbarkeit, das ebenso Nichts ist — überhaupt verständlich machen lässt, und antwortet: nur negativ, in der Unterscheidung von der Reflexionslogik. Die beiden Ausdrücke, mit denen Hegel „Sein" näher fasst, „unbestimmte Unmittelbarkeit" und „Gleichheit nur mit sich", sind, wie Henrich zeigt, negierte Reflexionsbestimmungen: Kategorien der Reflexion (Unmittelbarkeit als Gegenteil der Vermittlung, Gleichheit als Modus der Verschiedenheit), die durch einen Zusatz gerade um ihren Reflexionscharakter gebracht werden. Henrich belegt das mit Hegel selbst: „Die einfache Unmittelbarkeit ist selbst ein Reflexionsausdruck und bezieht sich auf den Unterschied von dem Vermittelten. In ihrem wahren Ausdrucke ist daher diese einfache Unmittelbarkeit das reine Sein."

Daraus zieht Henrich den Satz, der der beste des ganzen Aufsatzes ist: „Die Methode Hegels am Anfang der Logik ist also das Gegenteil einer Konstruktion. In ihm ist ganz und gar nur die eine Absicht leitend: Einen Zusammenhang von Gedanken evident zu machen, der sich jeder Konstruktion entzieht, obgleich er spekulativer Natur ist." Das reine Denken habe hier „die Natur des Zusehens"; die Logik könne über das einfache Aussprechen der Wörter „Sein" und „Nichts" hinaus nichts weiter tun, als die Einwände zu entkräften, die dem Vollzug dieses unanalysierbaren Gedankens entgegenstehen.

Als Beobachtung ist das richtig: Man kann „Sein" nicht positiv definieren, ohne es zu einem Vermittelten zu machen und damit den Anfang zu zerstören; man kann nur negativ auf ihn verweisen und den Vollzug fordern, in dem der Umschlag ins Nichts sich zeigt. Henrich sieht, dass Hegel nichts konstruiert, sondern eine Selbstbewegung zeigt. Die Frage, an der sich alles entscheidet, ist nur: Wovon ist diese Negation die Negation? Henrich lässt sie offen — und eben darin liegt, wie der nächste Schritt zeigt, die Verkürzung, die den ganzen Aufsatz bestimmt.

2. Was Henrich abschneidet: Hegels Kontextualisierung des Anfangs

Henrich behandelt den Anfang, als stünde man im Vakuum — auf leerem Feld, ohne Sprache, ohne Welterfahrung, ohne den begrifflichen Werkzeugkasten. Unter dieser Annahme entsteht sein Scheinproblem: Wenn man wirklich bei null anfängt und sich bei „Sein" und „Nichts" gar nichts denken darf, wird es zu einem paradoxen Kunststück, überhaupt etwas zu sagen, und dieses Kunststück breitet Henrich aus. Aber die Annahme ist falsch, und sie ist es nicht nur der Sache nach, sondern nach Hegels eigenem, ausdrücklichem Vorgehen.

Denn Hegel fängt in keinem seiner Bücher wirklich „mit dem Sein" an. Er stellt dem Sein durchgängig eine ausführliche Kontextualisierung voran. In der Wissenschaft der Logik geht die ganze Phänomenologie des Geistes als Weg zum reinen Wissen voraus, und unmittelbar vor dem Sein steht der eigene Text „Womit muß der Anfang der Wissenschaft gemacht werden?" — eine lange Reflexion über den Anfang, ehe er gemacht wird. In der Enzyklopädie stehen die Vorbegriffe und die drei Stellungen des Gedankens zur Objektivität vor der Seinslogik. Dieser Aufwand hat überall denselben Sinn: zu zeigen, dass der Anfang nicht aus dem Nichts kommt, sondern die logische Ordnung dessen ist, was wir im Denken immer schon tun. Der Anfang der Logik ist keine Konstruktion aus einem Axiom und keine creatio ex nihilo; er ist die Fokussierung und logische Ordnung einer Denkpraxis, die immer schon läuft.

Das sagt Hegel selbst mit einem Bild, das an dieser Stelle entscheidend ist. Der Meinung, man lerne durch die Logik erst denken, hält er entgegen, das sei ein Vorurteil, „gleichsam als ob man durch das Studium der Anatomie und Physiologie erst verdauen und sich bewegen lernen sollte". Man denkt, bevor man die Logik liest, so wie man verdaut, bevor man die Physiologie studiert; das eine ist für das andere nicht nötig. Die Logik erzeugt das Denken nicht, sie expliziert eine Praxis, die ihr vorausliegt. Auch die berühmte negative Begründung des Anfangs — die Widerlegung der falschen Alternativen, der Nachweis, dass keine reflektierte Bestimmung den Anfang machen kann — steht in diesem Rahmen: Sie sagt, vom Logischen her sei dies der einfachste Anfang, aber sie sagt es auf dem Boden der immer schon vollzogenen Denkpraxis, auf die Hegel sich von vornherein bezieht.

Was der unmittelbar vor dem Sein stehende Text — „Womit muß der Anfang der Wissenschaft gemacht werden?" — dazu im Einzelnen ausführt, ist so klar und so positiv, dass sich an ihm die ganze Frage entscheiden lässt; §4 nimmt ihn deshalb eigens vor.

Genau das nimmt Henrich nicht auf. Er beginnt beim Sein als isoliertem erstem Gedanken und fragt, wie man ihn via negationis gegen Einwände sichert — und schneidet damit ab, was Hegel mit so großer Mühe voranstellt: den Bezug auf die immer schon vollzogene Denkpraxis. Die Folge ist genau bestimmbar. Indem Henrich nur die Negation an den Anfang setzt, verpasst er das, wovon sie die Negation ist. Die via negationis ist die Verneinung der Reflexionsbestimmungen — aber verneint wird von etwas her: von der positiven Denkpraxis, die Hegel vorausschickt. Henrich hat das Abheben ohne das, wovon abgehoben wird; er hat die Negation ohne ihr Positives. Darum, und nur darum, erscheint ihm der Anfang als leeres Rätsel und als „unaufhebbare Zweideutigkeit" — er hat den positiven Boden weggeschnitten, auf dem die Negation überhaupt erst Sinn und Richtung hat. Sein Fehler ist damit nicht bloß eine übersehene systematische Unterscheidung; er ist philologisch fassbar, denn was Henrich übergeht, steht bei Hegel ausdrücklich vor dem Sein.

Damit ist die Annahme des leeren Feldes doppelt widerlegt, sachlich wie durch Hegels Text. Weder Hegel, als er die Logik schreibt, noch der Leser, der sie liest, stehen auf leerem Feld. Beide haben einen Leib und einen Geist mit Geschichte, Welterfahrung, Praxis und, nicht zuletzt, eine Sprache. Dieser Apparat — die Wörter, die Unterscheidungen, das Grenzenziehen, das Bilden von Begriffen — ist immer schon da. Man muss ihn nicht erfinden und nicht, wie im logischen Konstruktivismus der Erlanger Schule, die einzelnen Wörter erst definieren. Er ist verfügbar; die Logik muss ihn nur explizit machen.

3. Die Folge: die Negation ohne ihr Positives

Damit ist die Logik keine Erzeugung aus dem Nichts, sondern eine implizite Reflexion, die wir im Gebrauch unserer Sprache und unseres Denkens ohnehin ständig vollziehen und die in der Darstellung explizit wird. Und daraus folgt eine Unterscheidung von drei Ebenen, die Henrich fehlt. Es gibt erstens die Ebene unserer Erfahrung, Sprache und Praxis, die immer schon zur Verfügung steht. Es gibt zweitens den Werkzeugkasten, mit dem wir aus dieser Erfahrung Begriffe bilden, abgrenzen, unterscheiden, Identität und Differenz setzen — ebenfalls immer schon in Gebrauch. Und es gibt drittens die logische Darstellung der einzelnen Bestimmungen in ihrer logischen Reihenfolge, die mit dem Einfachsten beginnt.

Diese drei Ebenen sind nicht dasselbe, und ihre Vermischung ist die Wurzel von Henrichs Rätsel wie von Trendelenburgs Einwand. Henrichs Rätsel — man dürfe sich bei „Sein" nichts denken — löst sich, sobald man sieht: Dass „Sein" am Anfang keine Reflexionsbestimmung ist (Ebene 3, das dargestellte Einfachste), heißt nicht, dass wir nicht über es reflektieren dürften (Ebene 2, der Werkzeugkasten). Wir reflektieren die ganze Zeit; die Reflexion ist am Anfang nur noch nicht das explizite Thema. Grenzen, Identität, Unterschied, Begriffsbildung sind von Anfang an im Gebrauch, auch wo sie erst später — in der Wesenslogik — selbst zum Gegenstand werden. Henrichs „man darf sich nichts denken" verwechselt nicht thematisch mit nicht im Gebrauch.

Trendelenburgs Einwand — die Bewegung von Sein zu Nichts setze Zeit voraus und sei heimlich der Anschauung entnommen — löst sich aus demselben Grund. Die Bewegung ist kein aus dem Nichts zu erzeugendes Wunder, sondern die Reflexion beim Darstellen, die bemerkt, dass eine Bestimmung unzureichend ist und auf eine andere verweist. Sie kommt nicht von außen, aus Zeit oder Anschauung, sondern aus dem Werkzeugkasten, den wir immer schon bedienen. Trendelenburg fragt „woher kommt die Bewegung?", weil er, wie Henrich, auf leerem Feld steht und nicht sieht, dass wir die Bewegung ständig vollziehen; sie muss nur expliziert werden. So geht man schrittweise voran: Beim Darstellen reflektiert man, was man tut, stellt fest, dass ein Begriff fehlt oder eine Kategorie auf eine andere verweist, und rückt einen Schritt weiter.

Damit ist gesagt, warum auch Henrichs positive These ungenügend ist. Er hat die via negationis richtig gesehen, aber er hat sie als Mangel gefasst — als etwas, das den Anfang prekär macht, in der Schwebe hält, dem Vorwurf aussetzt, als „unaufhebbare Zweideutigkeit", die man hinnehmen müsse. In Wahrheit ist die Nur-negativ-Explizierbarkeit kein Mangel, sondern die korrekte Darstellungsform einer impliziten Reflexion. Das Einfachste kann nur negativ, durch Abhebung vom Reicheren, dargestellt werden — aber das ist unproblematisch, weil die Reflexion, die diese Abhebung vollzieht, uns immer schon zur Verfügung steht. Henrich macht aus der Darstellungsform ein Rätsel, weil er die Ebene der Darstellung mit der Ebene des Reflektierens verwechselt und beide von der Ebene der immer schon verfügbaren Erfahrung abschneidet.

Das ist derselbe Fehler, der Henrichs Werk durchzieht: die Logik als Erzeugung aus dem Nichts statt als Explikation dessen, was wir immer schon tun, und die Reflexion nur als explizites Thema statt auch als impliziten Vollzug, der immer schon läuft. Der Aufsatz von 1962 begeht ihn subtiler als die spätere Kritik am Übergang zur Wesenslogik, weil die via-negationis-Einsicht so nah an der Wahrheit liegt — aber er begeht ihn. Deshalb liest sich manches bei Henrich ähnlich wie die richtige Darstellung und ist doch von ihr getrennt durch die eine Unterscheidung, die er nicht trifft.

4. Hegels eigener Text zum Anfang — und die eine Stelle, die falsch gelesen wird

Der Text, der in der Wissenschaft der Logik unmittelbar vor dem Sein steht, heißt „Womit muß der Anfang der Wissenschaft gemacht werden?". Er ist kurz, und er ist klar. Vier Gedanken stehen darin, alle mit Gründen entwickelt, und sie sagen zusammen genau das, was Henrichs Aufsatz als schwer fassliches Rätsel umkreist.

Der erste: Der Anfang setzt nichts voraus, und der Zugang zu ihm ist kein besonderer. Hegel verlangt, der Anfang dürfe „nichts voraussetzen, muß durch nichts vermittelt sein noch einen Grund haben; er soll vielmehr selbst Grund der ganzen Wissenschaft sein". Und was dazu nötig ist, ist „nur der Entschluß, den man auch für eine Willkür ansehen kann, nämlich daß man das Denken als solches betrachten wolle". Kein inhaltliches Erstes, kein Prinzip, keine Schau — ein Entschluss, das Denken sich selbst betrachten zu lassen. Man ist immer schon dabei; man macht es nur ausdrücklich.

Der zweite: Hegel verwirft die intellektuelle Anschauung. Das reine Wissen, „auch als die intellektuelle Anschauung bestimmt", erscheine ohne die objektive Bewegung „als ein willkürlicher Standpunkt"; die Anschauung sei „die gewaltsame Zurückweisung des Vermittelns und der beweisenden, äußerlichen Reflexion", und was sie „mehr ausspricht als einfache Unmittelbarkeit", sei „ein Konkretes", das eines Beweises bedürfte, den sie nicht liefert. Hegel selbst schließt also den Zugang zum Anfang über eine Anschauung des Absoluten aus — und zwar an der Stelle, an der er den Anfang begründet.

Der dritte, und er ist der positive Kern: Hegel leitet das Sein aus der Analyse des Anfangs selbst ab. Statt „fang mit dem Sein an" bietet er einen zweiten Weg: Man analysiere die Vorstellung des Anfangs. „Es ist noch Nichts, und es soll Etwas werden. Der Anfang ist nicht das reine Nichts, sondern ein Nichts, von dem Etwas ausgehen soll; das Sein ist also auch schon im Anfang enthalten." Die Analyse des bloßen Anfangens ergibt Sein, Nichts und ihre Einheit. Das ist genau der positive Grund, den Henrich nicht angibt: Das Sein ist nicht gesetzt, sondern es ist das, was herauskommt, wenn das Denken seine eigene einfachste Tätigkeit — das bloße „es soll etwas werden" — explizit macht und logisch ordnet.

Der vierte: der Kreis. „Das Ganze derselben ist ein Kreislauf in sich selbst, worin das Erste auch das Letzte und das Letzte auch das Erste wird." Das Anfangende werde „im Anfange noch nicht wahrhaft erkannt"; erst „die Wissenschaft in ihrer ganzen Entwicklung" sei „seine vollendete, inhaltsvolle und erst wahrhaft begründete Erkenntnis". Das Sein am Anfang ist leer und bleibt es; seinen Gehalt bekommt es erst im Durchgang.

Damit stellt sich eine Frage, die man nicht umgehen kann. Alles, was Henrich in seinem Aufsatz als schwierig, prekär und nur mühsam zu sichern darstellt, steht hier — bei Hegel selbst, wenige Seiten vor dem Sein, in klarer Prosa und mit Gründen. Dass der Anfang keiner Konstruktion entspringt, dass er keine Anschauung verlangt, dass das Sein aus der Analyse des Anfangens hervorgeht, dass es am Anfang leer ist und erst im Kreis seinen Gehalt gewinnt: Hegel schreibt es deutlicher, als Henrich es rekonstruiert. Wozu also braucht man Henrichs Text? Seine Leistung besteht darin, eine Sache zu verrätseln, die bei Hegel offen zutage liegt, und dann zu erklären, Hegel habe sie nicht zureichend erschlossen. Dass er dasselbe Urteil über die Schule fällt, deren Kommentare den Anfang weiter durchführen als er, wird der Exkurs zeigen. Der Ertrag dieser Bewegung ist nicht Erkenntnis über den Anfang, sondern die Stellung dessen, der als einziger die verworrene Lage durchschaut.

Bleibt die eine Stelle, an der auch der wohlwollende Leser — der Hegels Logik schätzt und Henrich sonst kritisch liest — geneigt ist, Henrich recht zu geben: die Frage, ob Hegels Sein am Anfang nicht doch mit dem Schellingschen Absoluten zu tun habe, ob Hegel hier, in einem Punkt, Schellingianer bleibe. Dieser Eindruck hat eine reale Wurzel, aber sie liegt nicht in der Sache, sondern in einer unglücklichen Formulierung am Rand desselben Textes, die Henrich zusätzlich in die falsche Richtung treibt.

Sie steht am Schluss desselben Textes. Dort heißt es, „der absolute Geist, der als die konkrete und letzte höchste Wahrheit alles Seins sich ergibt", werde erkannt „als am Ende der Entwicklung sich mit Freiheit entäußernd und sich zur Gestalt eines unmittelbaren Seins entlassend, — zur Schöpfung einer Welt sich entschließend". Diese Worte — „entäußern", „sich entlassen", „zur Schöpfung einer Welt sich entschließen" — sind der Sprache der Emanation entnommen, und sie klingen, als stehe ein Absolutes am Anfang, aus dem die Welt hervorgeht. So hat schon Schelling selbst die Stelle gelesen und gegen Hegel gewendet; in dieser Lesart ist Hegel der Nachfolger, der Schellings Ausgang beim Absoluten beibehält.

Liest man den Satz aber vollständig, sagt er das Gegenteil. Drei Bestimmungen, alle in Hegels eigenem Wortlaut, kehren die Richtung um. Erstens: Der absolute Geist „ergibt sich" — er ist nicht das Vorausgesetzte, sondern das Resultat, „die konkrete und letzte höchste Wahrheit", die am Ende steht. Zweitens: Das Entäußern geschieht „am Ende der Entwicklung", nicht an ihrem Anfang; es ist keine Emanation aus einem ersten Prinzip, sondern eine Bewegung des Vollendeten. Drittens, und entscheidend: Der ganze Vorgang ist eine „umgekehrte Stellung", durch die der Anfang „mit seinem Anfange in ein von dem Resultate als dem Prinzip Abhängiges verwandelt wird". Das ist Hegels eigene Auflösung: Es handelt sich um eine Umkehrung der Blickrichtung, eine rückblickende Begründung — erst nachdem der Kreis durchlaufen ist, zeigt sich, dass das leere Anfangs-Sein vom vollendeten Geist her seinen Grund hat. Hegel benutzt das theologische Bild der Schöpfung für einen anti-theologischen Gedanken: nicht ein Schöpfer am Anfang, sondern eine Begründung am Ende. Die Formulierung ist unglücklich, weil sie die Sprache der Emanation für deren Umkehrung verwendet; sie musste missverstanden werden, und sie wurde es, von Schelling an.

Der Punkt gegen die Schelling-Lesart ist einfach und liegt im Charakter des Anfangs selbst. Das Schellingsche Absolute ist das Reichste: der Indifferenzpunkt, dem man sich durch intellektuelle Anschauung nähert und aus dem sich alles entfaltet. Hegels Sein am Anfang ist das Ärmste: das Leerste, Unbestimmteste, so leer, dass es unmittelbar in Nichts umschlägt. Ein Absolutes, das im ersten Schritt in Nichts umkippt, ist kein Schellingsches Absolutes — es ist dessen genaues Gegenteil. Die Identität von Sein und Absolutem, die Hegel behauptet, ist eine Identität im durchlaufenen Kreis („das Erste wird auch das Letzte"), nicht eine Identität am Ausgangspunkt. Das Sein „ist" das Absolute so, wie der Same der Baum ist — nämlich gerade noch nicht. Wer das Absolute schon an den Anfang setzt, nimmt die Same-Baum-Figur zurück, um die es geht, und eliminiert den Unterschied von Anfang und Resultat, auf dem Hegels ganze Konstruktion beruht.

An dieser Stelle ist Henrichs eigener früher Text der beste Zeuge gegen die Schelling-Lesart — und gegen Henrichs eigene spätere Deutung. In der Fußnote zu These 5 von „Anfang und Methode" heißt es ausdrücklich, Hegels Denken sei „weder Ursprungs- noch Emanationsphilosophie"; es lasse sich „weder aus der Unüberholbarkeit des Anfangs noch aus der Bewegung, die von ihm ausgeht, für sich allein hinreichend interpretieren, sondern nur mit dem Blick auf beides zugleich". Und These 2 desselben Aufsatzes hält fest, die Unmittelbarkeit des Anfangs werde „niemals aufgehoben" und sei durch die reicheren späteren Strukturen „niemals zureichend interpretiert" — das Anfangs-Sein bleibt das Arme, das es ist, und wird nicht rückwirkend zum reichen Absoluten aufgeladen. Der Henrich von 1962 verwirft also ausdrücklich, was die Schelling-Lesart behauptet.

Zugleich treibt derselbe Aufsatz die Stelle aber weiter in die falsche Richtung. Denn Henrichs These 5 knüpft die „Absolutheit des Geistes" an die Evidenz des Anfangs: In der Ununterscheidbarkeit von Sein und Nichts werde „die grundlose, ursprüngliche Einheit des Negativen mit sich" gefasst, und diese sei „eine der Grundlagen jeder etwa möglichen Gewißheit von der Absolutheit des Geistes". Damit rückt die Absolutheit näher an den Anfang, als es Hegels Kreis-Figur erlaubt — die Absolutheit ist bei Hegel das Resultat, das den Anfang rückblickend begründet, nicht eine im Anfang schon gelegte Grundlage. Henrich sagt hier, in nuce, beides: In der Fußnote verwirft er die Emanation, in These 5 legt er die Absolutheit in den Anfang. Die spätere Zuspitzung — das Absolute als Erstes, im Modus des Seins — ist die Auflösung dieser Spannung zugunsten der falschen Seite.

Damit steht der Sachverhalt geordnet da: Die Wurzel der Schelling-Lesart ist Hegels unglückliche Schöpfungs-Formulierung, die, vollständig gelesen, das Gegenteil einer Emanation meint. Henrichs früher Text verstärkt die Fehldeutung an einer Stelle (These 5) und liefert an anderer (Fußnote 25, These 2) zugleich die Mittel, sie zu widerlegen. Man muss Henrich beim Anfang also nicht recht geben — am wenigsten mit Henrich selbst, der 1962 ausdrücklich schreibt, Hegel sei kein Emanationsdenker.

5. Henrich gegen Henrich: der Widerspruch zur „Grundoperation"

Man muss Henrichs Satz von 1962 — der Anfang sei „das Gegenteil einer Konstruktion" (§1) — neben das halten, was Henrich elf Jahre später in „Hegels Grundoperation" (1973/76) behauptet. Dort ist Hegels Logik gerade eine Konstruktion: Sie beruht auf der „autonomen Negation", einem aus der Aussagenlogik gewonnenen Grundterm, den Hegel angeblich „niemals ausführlich dargelegt" habe und der deshalb rekonstruiert werden müsse. Dort heißt es über den Anfang, „Sein" und „Nichts" seien „der noch ganz unbestimmte Gedanke reiner Selbstbeziehung" und „reiner Negation" — also Gestalten der autonomen Negation, die Konstruktion in den Anfang hineingelesen.

Das ist die genaue Umkehrung. 1962: Der Anfang ist das Gegenteil einer Konstruktion, man kann ihn nur via negationis zeigen. 1973: Der Anfang ist eine verkappte Konstruktion, die man aus der autonomen Negation entwickeln kann. Und der Widerspruch geht weiter. In „Anfang und Methode" schreibt Henrich als These 4: „Der Versuch einer Formalisierung der Logik dürfte in diesen Zusammenhängen besonders große, wenn nicht unüberwindbare Schwierigkeiten finden." In der „Grundoperation" unternimmt er genau diese Formalisierung — die Negation als Subjekt, mit Regeln nach dem Muster der Aussagenlogik. Und als These 3 von 1962: es sei „nicht zulässig, in irgendeinem späteren Kapitel der Logik ihr eigentliches Zentrum und den Motor ihres Prozesses zu suchen, weder in der Lehre von der Reflexion noch in der vom Urteil oder der vom Schluß." In der „Grundoperation" macht Henrich genau das — er erklärt den Anfang der Wesenslogik, die Reflexion, zum Zentrum, in dem „die beste Darlegung der logischen Grundoperation" stehe.

An drei Punkten also — Konstruktion oder nicht, Formalisierung möglich oder nicht, ein Zentrum in einem späteren Kapitel oder keines — sagt der Henrich von 1973 das Gegenteil des Henrich von 1962, am selben Gegenstand. Das ist kein Fortschritt einer sich entwickelnden Deutung, denn die spätere These ist die schwächere: 1962 ist Henrich an der Sache, 1973 an einer Konstruktion, die er der Sache überstülpt. Die Konstanz zwischen den Texten liegt nicht in der These, sondern in der Haltung, auf die ich zurückkomme.

Exkurs: Der Philologe ohne Lektüre — Henrichs Umgang mit den Zeitgenossen Hegels

Henrich eröffnet den Aufsatz mit einer Bilanz über die Schule Hegels: Sie habe keinen Versuch unternommen, die Ableitungen der spekulativen Gedankenbestimmungen „im Einzelnen zu analysieren", habe sich auf das Variieren der Thesen mit Rückverweisen beschränkt und keine Alternativen entwickelt, unter denen mit Gründen entschieden werden könnte; ein Kommentar, der mit denen von Cornford, Ross, Vaihinger oder Paton vergleichbar wäre, sei „bisher nicht geschrieben worden". Diese Behauptung ist nicht bloß zu pauschal, sie ist falsch — und zwar nachweislich an Werken, die Henrich in seinen eigenen Fußnoten aufführt.

Denn es liegen genau solche Kommentare vor, und nicht nur zum Anfang. Erdmanns „Grundriss der Logik und Metaphysik" (Halle 1841), Rosenkranz’ „Wissenschaft der logischen Idee" (1858/59) und Michelets Logik im „System der Philosophie" (1876) kommentieren die gesamte Logik durchlaufend (Rosenkranz mit der bekannten Lücke bei Mechanismus, Chemismus und der Idee des Lebens, deren systematische Funktion er nicht erfasst hat). Werders „Logik" (Berlin 1841) kommentiert den gesamten Qualitätsteil von Sein bis zu dessen Ende. Dass ich hier nur die Anfänge dieser Werke heranziehe, liegt allein daran, dass Henrichs Aufsatz nur den Anfang behandelt; die Werke selbst sind vollständige Logik-Kommentare. Henrichs Satz, ein solcher Kommentar sei „bisher nicht geschrieben worden", steht also gegen die Bibliographie seines eigenen Aufsatzes. Er ist entweder wider besseres Wissen formuliert oder beruht auf Unkenntnis der Werke, die er zitiert; ein Drittes ist schwer vorstellbar.

Das lässt sich schon an den Anfängen zeigen, die hier vorliegen.

Johann Eduard Erdmanns „Grundriss der Logik und Metaphysik" (Halle 1841) analysiert den Anfang knapp und am Gedanken. Erdmann führt den Anfangsgang lückenlos durch — Sein (§29), Nichts (§30), ihre Einheit (§31), Werden (§32), Entstehen und Vergehen (§33), das Gewordene (§34) — und behandelt dabei genau die Frage, an der Henrich sich später abarbeitet: den Unterschied von Sein und Nichts. In §31 gibt er ihn präzise an: „Sein als Sein gesetzt ist es selbst; Nicht aber als Nicht gesetzt ist sein Gegentheil, nämlich Sein", und hält zugleich fest, dies heiße nicht, „dass wir nur einen Gedanken mit zwei Worten bezeichnen". Er nimmt den Einwand vorweg, man fühle doch einen Unterschied — und zeigt, dass der Unterschied, „darüber nachgedacht, verschwindet". Und er benennt die Fehlerquelle, die auch Henrichs Darstellung durchzieht: Der Satz erscheine nur deshalb anstößig, „weil man nicht bei ihm stehen bleibt, sondern Folgerungen aus ihm zieht". Das ist, in einem Paragraphen, was Henrich über Seiten als schwer fassbaren Widerspruch ausbreitet — und es ist zugleich die Diagnose des Verfahrens, das ich Henrich weiter oben vorgehalten habe. Dazu entwickelt Erdmann in §§12–15 die drei Momente der Betrachtung (das verständige, das dialektisch-reflektierende, das spekulativ-kombinierende) klar als die Struktur, die in Enz. §79–82 steht. Erdmanns Text ist damit bereits, was Henrich vermisst: eine textnahe Analyse, die den Anfang im Unterschied zur Reflexionslogik fasst und Gründe angibt.

Karl Werders „Logik. Als Kommentar und Ergänzung zu Hegels Wissenschaft der Logik" (Berlin 1841) ist das andere Extrem und taugt darum als Gegenprobe. Werder ist weitschweifig und theologisch aufgeladen; er zieht die ganze Philosophiegeschichte herein — Eleaten, Heraklit, Platons Parmenides, Descartes, Fichte, Schelling —, deutet den Anfang als Selbstbewegung des Ich zum Sein und redet vom Logos, von Schöpfung und göttlichem Spiel. Sein Stil ist das Schwelgen, das Henrichs Vorwurf trifft. Aber auch Werder führt den Gedankengang vollständig durch — Sein, Nichts, Werden, Entstehen und Vergehen, bis zum Gewordenen und Dasein („Werden als Geworden ist Daseyn") — und ringt eigenständig mit dem Text, statt ihn nur zu variieren. Er kritisiert Hegel frontal an genau der Stelle, an der auch Trendelenburg ansetzt: Wenn der Unterschied von Sein und Nichts, wie Hegel sagt, „unsagbar" und „bloß gemeint" sei, dann könne er nicht zugleich „absolut" heißen, und das Werden, das doch nur durch diesen Unterschied Werden sei, werde damit selbst unsagbar. Diese Formel — ist der Unterschied unsagbar, so ist auch das Werden unsagbar — wiederholt Werder mehrfach als seinen eigenen Einwand. Selbst dieser schwächere, geschwätzige Kommentar leistet in der Durchführung also mehr als Henrichs Aufsatz, der nicht einmal bis zum Werden gelangt, und er entwickelt die Kritik, die Henrich nur als Namen (Trendelenburg) stehen lässt.

Rosenkranz und Michelet behandeln den Anfang ebenfalls ausführlicher und differenzierter, als Henrichs Etikett vermuten lässt. Damit ist ein zweiter Punkt berührt, der über die bloße Vollständigkeit hinausgeht: die Art, wie Henrich die Schüler behandelt.

Auf den ersten Blick ist das Schüler-Panorama der reichste Teil des Aufsatzes. Henrich nennt ein Dutzend Namen — Werder, Ulrici, K. Ph. Fischer, Hinrichs, Kuno Fischer, I. H. Fichte, Rosenkranz, Michelet, Erdmann, Weiße, Spaventa — und ordnet sie in vier „Weisen von Umdeutungen der Seinslogik". Das sieht nach durchgearbeiteter Forschung aus. Bei näherem Hinsehen ist es aber Klassifikation, nicht Lektüre: Jede Position wird in ein, zwei Sätzen einer der vier Schubladen zugewiesen, fast nie mit einem Zitat aus dem Werk und nirgends mit einer Analyse des Gedankengangs. Und wo sich die Zuordnung prüfen lässt, trifft sie nur dort, wo Henrich sich nicht auf eigene Lektüre stützen muss.

Beginnen wir mit den beiden Fällen, die sich am Primärtext nachrechnen lassen. Rosenkranz ordnet Henrich der dritten Gruppe zu, die „den Begriff des Seins als eine Abstraktion von allem Seienden" fasse, „mit Hilfe der ontologischen Differenz", und zählt ihn zu den Theorien, die „bereits den Neukantianismus vorbereiteten", weil sie der Logik den Charakter absprächen, Wissenschaft des Absoluten zu sein. Rosenkranz’ Anfangskapitel sagt das Gegenteil. Sein Anfang ist die Identität von Denken und Sein („Das Denken setzt sich als Sein, dies ist das Wesentliche"), gewonnen über die totale Abstraktion; die ontologische Differenz von Sein und Seiendem ist dort gerade nicht der Angelpunkt. Und statt die Logik zu entabsolutieren, unterscheidet Rosenkranz ausdrücklich den objektiven Anfang (das abstrakte Sein) vom absoluten, der im „Begriff des Geistes als des absoluten", der „absoluten Persönlichkeit Gottes" liege — eine emphatisch metaphysische, gerade nicht neukantianische Position. Was an Rosenkranz kantianisierend ist, liegt woanders, als Henrich es verortet: nicht in einer Entabsolutierung des Anfangs, sondern darin, dass Rosenkranz als einziger der Schule die Logik substantiell umbaute und die von Hegel gerade aufgehobene Trennung von logischen und ontologischen Kategorien restaurierte — bei erhaltener metaphysischer Anfangslehre. Henrichs Etikett trifft weder die Sache noch die Tendenz.

Erdmann ordnet Henrich der vierten Gruppe zu: Sie nähmen „das Sein des Anfangs als die Copula im Urteil". Auch das steht so nicht im Text. Erdmann setzt das Sein (§29) als „unterschiedslose Beziehung auf sich selbst", als reine Unmittelbarkeit — nicht als Copula. Wo die Copula bei ihm vorkommt, in einer Anmerkung zu §29, dient sie dem entgegengesetzten Zweck: der Abgrenzung. „Seyn ist wesentlich verschieden von Existenz oder gar Wirklichkeit … Seyn ist nur Infinitiv der Copula Ist" — das hält jede Substantialität vom Anfang fern, es fundiert den Anfang nicht urteilslogisch. Henrich hat eine beiläufige grammatische Abgrenzung zur Anfangsdeutung aufgebläht und danach klassifiziert.

In beiden am Text prüfbaren Fällen also dasselbe: nicht der Gang des Anfangskapitels wird erfasst, sondern ein einzelnes Stichwort herausgegriffen und als Etikett verwendet — bei Rosenkranz „ontologische Differenz / Neukantianismus", bei Erdmann „Copula". Das Erdmann-Etikett hat nicht einmal in der Überlieferung der Schule einen Anhalt: Dort galt Erdmann, wie Michelet (§9 seiner Logik) unter Berufung auf Kuno Fischer festhält, als derjenige, der den Übergang von Sein in Nichts „lediglich aus dem Begriffe der Unbestimmtheit" gemacht habe — nicht aus der Copula.

Die Zuordnung von I. H. Fichte und Ulrici zeigt dasselbe Muster von einer anderen Seite. Henrich stellt I. H. Fichte zu Rosenkranz und Michelet in die dritte Gruppe (Abstraktion mittels ontologischer Differenz) und Ulrici zu Werder in die erste (der Anfang als Prinzip des Ganzen), behandelt beide also als schlichte Anfangs-Deuter mit je einer Sein-Auffassung. Aber Fichte und Ulrici sind gar keine Logik-Kommentatoren dieser Art. Sie sind, zusammen mit Weiße, die „theistischen Hegelianer" oder spekulativen Theisten — Grenzgänger, die Hegels Instrumente übernahmen, um sie gegen seinen vermeintlichen Pantheismus zu wenden und die Persönlichkeit Gottes zu retten. Ihr Zugriff auf den Anfang ist von dieser theistischen Frontstellung her bestimmt, nicht von einer Theorie der Sein-Abstraktion. Henrich verflacht eine religionsphilosophische Opposition zu einer bloßen Variante der Anfangs-Umdeutung — er ordnet sie nach einem Stichwort ein, statt ihre Stoßrichtung zu erfassen. Wer Fichtes „konkreten Theismus" oder Ulricis „Princip und Methode der Hegelschen Philosophie" (1841) gelesen hätte, hätte sie nicht so klassifiziert.

Michelet schließlich ist der Fall, an dem sich die Nicht-Lektüre nicht nur wahrscheinlich machen, sondern zeigen lässt. Henrich stellt ihn zu Rosenkranz in die dritte Gruppe. Michelets Text stellt ihn dorthin gerade nicht: In seinem Seins-Kommentar (§8) kritisiert Michelet ausdrücklich „Erdmann, Rosenkranz und Kuno Fischer", weil sie „mit der Abstraction des reinen Denkens anfangen, und in diesem unmittelbar das Sein vorfinden" wollten. Michelet grenzt sich von Rosenkranz ab; sein eigener Anfang lässt gerade unentschieden, ob subjektiv oder objektiv, ob Gedankending oder Wirkliches („incipit, ergo est"), weil der Unterschied von Sein und Denken am Anfang noch nicht gemacht sei. Henrich wirft also zwei Autoren in eine Schublade, von denen der eine den anderen beim Namen kritisiert — was nur möglich ist, wenn man Michelets Anfang nicht gelesen hat.

Und dieser selbe Kommentar liefert den positiven Beweis. Michelet behandelt in §9 den Trendelenburg-Streit und versammelt dort genau die Namen, die Henrichs Panorama ausmachen — Werder, Kuno Fischer, Erdmann, Rosenkranz —, und darunter, mit wörtlichem und ausführlichem Zitat, Spaventas Rede vor der Neapolitanischen Akademie („Das Denken ist der große Verräter, welcher negiert"). Der ganze Kranz von Namen steht bei Michelet an einer Stelle beisammen. Nun gesteht Henrich in seiner Fußnote selbst ein, Spaventa nur durch einen Hinweis von J. v. d. Meulen zu kennen. Hätte er Michelets Kommentar gelesen — denselben, dessen Anfang er zu klassifizieren vorgibt —, wäre ihm Spaventa dort begegnet, prominent und wörtlich zitiert, und er hätte den fremden Hinweis nicht gebraucht. Dass er Spaventa von außen bezieht, ist mit einer Lektüre des Michelet-Kommentars unvereinbar. Bei Rosenkranz und Erdmann legt die Fehlzuordnung die Nicht-Lektüre nahe; bei Michelet beweist Henrichs eigene Fußnote sie.

Der Kontrast zu den beiden Fällen, in denen Henrich trifft, rundet den Befund. Bei Kuno Fischer sagt er zu Recht, dessen Deutung gehe in den Neukantianismus über; aber das ist geläufiges, gleichsam handbuchfähiges Wissen, für das man Fischers Logik-Deutung nicht eigens durcharbeiten muss. Und Spaventa, die einzige Zuordnung, die er ausführlich begründet, ist genau die, für die er den Gewährsmann nennt — Meulen, der selbst ein ernstzunehmender Hegel-Interpret ist. Beide Treffer bestätigen so die Regel: Henrich trifft, wo das Wissen geläufig ist oder ein Gewährsmann einsteht, und verfehlt überall dort, wo eigene Lektüre nötig wäre (Rosenkranz, Erdmann, Michelet, I. H. Fichte, Ulrici). Der Gewährsmann ersetzt die Quelle, die er, wie Michelet zeigt, in der Hand gehabt hätte.

Das ist gerade darum von Gewicht, weil Henrich als Inbegriff sorgfältiger Hegel-Philologie galt. Der Vorwurf lautet nicht, ein Systematiker habe die Philologie vernachlässigt, die ihm fernlag; er lautet, dass ausgerechnet der philologischste Teil des Aufsatzes — das Panorama der Schüler-Logiken, mit Namen, Fundstellen und Typologie — der Prüfung nicht standhält. Ob Henrich die Namen und Grobpositionen aus einer typologisierenden Sekundärdarstellung bezog — Erdmanns eigene Historiographie der Hegelschen Schule wäre die naheliegende Quelle —, lässt sich aus dem Aufsatz nicht beweisen. Aber die Struktur der Behandlung — Typologie ohne Primärzitat, treffend nur bei geläufigem Wissen oder mit Gewährsmann, verfehlt überall dort, wo eigene Lektüre nötig wäre — ist mit sorgfältiger Werkkenntnis schwer und mit einer Übernahme aus zweiter Hand gut vereinbar.

Der Punkt ist nicht, die Schüler zu verklären; Werder zeigt, dass Henrichs Vorwurf gegen den Stil der Schule nicht aus der Luft gegriffen ist. Aber Henrichs Bilanz als Ganze steht auf dem Kopf. Die Kommentare, deren Anfänge sich hier prüfen lassen — Erdmann, Rosenkranz, Michelet, Werder —, sind in der Sache tiefer und hilfreicher als Henrichs Aufsatz: Sie führen den Gang zu Ende, unterscheiden die Sinn-Ebenen des Anfangs, verteidigen die Sein-Nichts-Formel gegen das gängige Missverständnis, ringen mit der Kritik. Michelet referiert und ordnet dabei, als zweiter großer Chronist der Schule neben Erdmann, den ganzen Trendelenburg-Streit samt seinen Teilnehmern — dieselbe Debatte, die Henrich nur mit dem Namen Trendelenburgs andeutet. Sie alle tun genau das, was Henrich der Schule pauschal abspricht — die Analyse im Einzelnen, das Angeben von Gründen, das Entwickeln von Unterscheidungen —, und sie tun es nicht nur für den Anfang, sondern für die ganze Logik (bei Werder für die ganze Qualität). Nicht die Schule hat die Ableitungen nie im Einzelnen analysiert; Henrich hat die Werke, die es tun, nicht im Einzelnen gelesen. Seine Eingangsbehauptung, ein solcher Kommentar existiere nicht, wird von den Titeln widerlegt, die er selbst in den Fußnoten führt.

6. Weitere Schwächen des Aufsatzes

Neben dem Grundfehler und seiner Wiederkehr in der Deutung des Absoluten hat der Text kleinere Schwächen, die dieselbe Wurzel haben und in den anderen Henrich-Texten, gröber, wiederkehren.

Der überdehnte Punkt. Henrich arbeitet mit großem Aufwand heraus, dass man sich bei „Sein" und „Nichts" nichts Bestimmtes denken dürfe, dass jeder Gedanke, der sich einstellt, „nicht im Sinne Hegels" sei. Über diesen Umstand verliert er viele Worte. Aber der Umstand ist beinahe trivial: Der Anfang ist unbestimmt, das ist seine Bestimmung. Wenn es so schwer und so paradox wäre, sich dabei nichts zu denken, müsste man fragen, warum Hegel es nicht bei den zwei Worten belassen, sondern der Mühe wert gefunden hat, Sätze darüber zu schreiben. Die Schwierigkeit, die Henrich hier ausbreitet, ist zu einem guten Teil eine, die er selbst erzeugt.

Die Zuschreibungs-Unklarheit. Das ist das eigentliche Problem des Textes. Henrich stellt einen Gedankengang dar — und zwar nur bis zum Umschlag von Sein und Nichts, nicht einmal bis zum Werden —, aber es bleibt durchweg unklar, was davon Hegels ist, was von den Hegel-Schülern, was von den Kritikern und was Henrichs eigene Zutat. Die Positionen der Schüler werden angedeutet, nicht entwickelt; die Kritik Trendelenburgs wird erwähnt, aber nicht richtig dargestellt; die Entgegnungen der Hegelschule auf Trendelenburg fehlen ganz. Der Leser kommt heraus mit dem Eindruck, die Sache sei sehr verworren, es gebe viele Auffassungen, die Kritik habe im Wesentlichen recht behalten, und Henrich sei derjenige, der es durchschaut. Dieser Eindruck ist ein rhetorischer Effekt der Darstellung, kein Ergebnis, das im Text bewiesen würde.

Hegel in der Schwebe. Wie in der „Grundoperation" bezieht Henrich Voraussetzungen und Folgerungen ein, lässt aber offen, ob Hegels Anfang gelingt. Zugleich scheint ihn die — nicht ausgeführte — Kritik überzeugt zu haben, deren Prämisse er allen Schülern zuschreibt. Der Schlusssatz lässt die Frage bewusst offen: die Schüler hätten den Versuch gemacht, Sein und Nichts anders zu denken, „es muß anerkannt werden, daß er berechtigt ist, wenn er auch in jeder Weise scheiterte. Von den Gründen dieses Scheiterns haben auch wir noch zu lernen." Das klingt nach Ergebnisoffenheit, stellt Hegels Anfang aber als bleibend fragwürdig hin, ohne die Fragwürdigkeit je gezeigt zu haben.

7. Trendelenburg: erwähnt, nicht dargestellt

Ein eigener Punkt betrifft die Behandlung der Kritik. Henrich nennt Trendelenburg als den wirksamsten der negativen Kritiker, aber er stellt dessen Einwände nicht dar und geht auf die Entgegnungen der Hegelschule nicht ein. Das ist eine Lücke, denn Trendelenburgs Kritik hat das Hegel-Bild einer ganzen Generation geprägt, und ihre Beantwortung gehört zur Sache. Trendelenburg wirft Hegel vor, das „Umschlagen" von Sein in Nichts setze Bewegung und damit Zeit voraus, die erst später komme (eine petitio principii); die Begriffe seien verdeckt der Anschauung entnommen; aus bloßer Identität folge kein Werden. Diese Einwände treffen reale Spannungen in Hegels Darstellung, aber sie verfehlen die Sache, weil sie Darstellungsmittel für die Sache nehmen (die Bewegungs-Metaphern), die Reflexivität des Anfangs unterschätzen und den spekulativen Widerspruch mit dem formallogischen verwechseln. Henrich hätte die Kritik entweder ernsthaft entkräften oder ernsthaft übernehmen müssen; er tut weder das eine noch das andere, sondern lässt sie als diffusen Verdacht stehen, der zur Schwebe des Schlusses beiträgt.

8. Was dennoch zu gewinnen ist

Bei aller Kritik am Grundzugriff enthält der Aufsatz Beobachtungen, die man festhalten sollte — vor allem, weil sie sich gegen Henrichs eigene spätere Deutungen wenden lassen. Die via negationis als Beobachtung (§1) gehört dazu; über sie hinaus sind es vor allem die fünf Schluss-Thesen, bei denen sich das Haltbare vom Überzogenen trennen lässt.

Bei den fünf Schluss-Thesen ist Vorsicht nötig; sie klingen streng, sind aber bei Prüfung ungleich haltbar. These 3 enthält eine brauchbare Spitze: Man dürfe nicht in einem späteren Kapitel — der Reflexion, dem Urteil, dem Schluss — das „eigentliche Zentrum und den Motor" der Logik suchen. Gegen die spätere „Grundoperation", die genau das tut und den Anfang der Wesenslogik zum archimedischen Punkt erklärt, ist das ein treffender Einwand im Voraus. Als allgemeine These aber ist sie ein grundloses Verbot. Dass die Logik eine Bewegung ist, schließt nicht aus, dass einzelne Kategorien für das Ganze besonders tragend sind — die Reflexionsbestimmungen, über die Henrich selbst einen Aufsatz geschrieben hat, der Begriff, der absolute Schluss. In einer Bewegung lassen sich sehr wohl Gelenke und Höhepunkte auszeichnen. Henrich verwandelt die berechtigte Absage an ein fixiertes Zentrum in ein pauschales Verbot, überhaupt etwas hervorzuheben — an das er sich selbst nicht hält, sobald er etwas für wichtig hält. Das Verbot gilt gegen andere, nicht gegen ihn.

These 2 ist noch unklarer. Sie besagt, die Unmittelbarkeit des Anfangs werde „als der Anfang des Ganzen niemals aufgehoben" und könne durch die reicheren späteren Strukturen „niemals zureichend interpretiert werden". Beide Teile sind angreifbar. Der erste changiert zwischen einer Trivialität und einem Fehler. Heißt er, der Anfang bleibe der Anfang des Buches und die früheren Bestimmungen verschwänden nicht, so ist das wahr, aber banal und kein Einwand gegen irgendetwas — natürlich bleiben die durchlaufenen Kategorien stehen, was sonst. Heißt er dagegen, der Anfang werde nicht aufgehoben, so ist das falsch: Sein wird in Werden, Dasein und weiter aufgehoben, und Aufheben ist gerade das Bewahren-im-Überführen, nicht das Verbrennen. Henrichs Formel gewinnt ihren Schein von Tiefe aus dieser Unschärfe; sie klingt, als sei ein schwer fasslicher Sachverhalt getroffen, wo bei genauer Lesart nur eine Banalität oder eine Verwechslung steht.

Der zweite Teil — der Anfang lasse sich vom Reicheren her „niemals zureichend interpretieren" — ist ein weiteres grundloses Denkverbot, und zwar durch eine Wortverschiebung getarnt. Richtig wäre allein, dass das Einfachste sich nicht aus dem Reicheren ableiten, nicht aus ihm erzeugen lässt; der Anfang wird nicht aus dem Späteren produziert. Aber Henrich sagt nicht „ableiten", er sagt „interpretieren", und das ist etwas ganz anderes. Vom Späteren aus auf die früheren Kategorien zurückzublicken, ihren Zusammenhang, ihre Aufgabe und ihre Tiefe besser zu verstehen, als man beim ersten Durchgang konnte, ist kein Mangel, sondern der gewöhnliche Erkenntnisgewinn — und es hindert nicht daran, jede Kategorie an ihrem Ort für sich zu behandeln. Das eine schließt das andere nicht aus. Henrich verbietet grundlos, rückblickend über den Anfang klüger zu werden. Zumal er es besser weiß: Seine eigene These 1 verlangt die „rückläufige Begründung" des Anfangs aus dem Schluss der Logik und eine „Metalogik", die genau dieses Zurückblicken leistet. Das Interpretationsverbot der These 2 steht also gegen die Interpretationsforderung der These 1.

So bleibt von den Schluss-Thesen als sachlicher Ertrag die via negationis (in These 5 noch einmal zugespitzt) und die Spitze gegen ein fixiertes Zentrum — das Übrige ist teils grundloses Verbot, teils in der Schwebe gehaltene Doppeldeutigkeit. Auch das gehört zum Bild: Henrich formuliert Thesen, die im Gestus streng wirken, aber selektiv angewandt und bei Prüfung uneindeutig sind.

9. Bilanz dieses Aufsatzes

Was sich am Verhältnis von Henrichs Text zu Hegels eigenen Texten zeigen ließ, fügt sich zu einem Befund. Henrichs beste Einsicht — die via negationis — ist als Beobachtung richtig: Der Anfang lässt sich nur negativ explizieren, „unbestimmte Unmittelbarkeit" ist eine negierte Reflexionsbestimmung. Aber Henrich nimmt die Negation, ohne zu sagen, wovon sie die Negation ist, und darum wird ihm daraus ein Rätsel: eine prekäre, unaufhebbare Zweideutigkeit, die man hinnehmen müsse. Das Positive, das er vermisst, hat Hegel ihm vorangestellt — in jedem seiner Bücher, und im Falle der Wissenschaft der Logik wenige Seiten vor dem Sein: der Anfang als bloßer Entschluss, das Denken zu betrachten; die ausdrückliche Absage an die intellektuelle Anschauung; die Ableitung des Seins aus der Analyse des Anfangens; der Kreis, in dem das leere Erste erst am Ende seinen Gehalt gewinnt. Der Anfang der Logik ist keine Erzeugung aus dem Nichts, sondern die logische Ordnung dessen, was wir im Denken immer schon tun — man denkt, bevor man die Logik liest, wie man verdaut, bevor man die Physiologie studiert.

Dieselbe Verkürzung kehrt an drei weiteren Stellen wieder. Bei der Frage des Absoluten am Anfang: Hegels unglückliche Schöpfungs-Formulierung sagt, vollständig gelesen, das Gegenteil einer Emanation — „ergibt sich", „am Ende der Entwicklung", „umgekehrte Stellung" —, und Henrichs eigene Fußnote 25 bestätigt es („weder Ursprungs- noch Emanationsphilosophie"); dennoch rückt seine These 5 die Absolutheit näher an den Anfang, als der Kreis es erlaubt, und seine späteren Arbeiten lösen die Spannung zur falschen Seite auf. Bei den Zeitgenossen: Der philologischste Teil des Aufsatzes, das Panorama der Schüler-Logiken, hält der Prüfung nicht stand; die Kommentare, die Henrich für nicht existent erklärt, führen den Anfang weiter durch als er, und sein eigener Fußnotenapparat widerlegt seine Eingangsbehauptung. Und im Verhältnis zu seinen späteren Arbeiten: Was er hier richtig sieht, nimmt er dort zurück — ein Zusammenhang, der über diesen Aufsatz hinausweist und den der Ausblick verfolgt.

Der Ertrag ist damit nicht die Erkenntnis, dass Hegels Anfang fragwürdig sei — er ist die Einsicht, dass Hegel klarer schreibt, als Henrich ihn rekonstruiert, und dass die Schule ihn weiter durchführt. Was Henrichs Text leistet, ist die Verrätselung einer Sache, die offen zutage liegt, und die Stellung dessen, der sie als einziger durchschaut.

Offen bleibt die Durchführung. Der positive Ertrag — die via negationis, richtig verstanden als Darstellungsform einer immer schon vollzogenen Reflexion (§3) — wäre auszuführen, und zwar über den Punkt hinaus, an dem Henrich stehenbleibt. Henrich kommt nicht einmal bis zum Werden; er zeigt nur den Umschlag von Sein und Nichts. Die Bewegung ist aber erst mit dem Werden und dem Übergang zum Dasein vollständig: Das Werden sinkt in die ruhige Einfachheit des Daseins zusammen, das Sein mit einer Negation ist. Wie diese ersten Schritte als eine einzige Selbstbewegung stehen — nicht als Konstruktion und nicht als prekäre Zweideutigkeit, sondern als das, was das Denken mit seinem immer schon verfügbaren Werkzeug an seinem eigenen leersten Gedanken vollzieht und dabei an sich selbst beobachtet —, ist der Faden, den Henrichs Aufsatz aufnimmt und fallen lässt. Ihn weiterzuführen, und dabei die drei Ebenen sauber zu halten, ist die Aufgabe eines Kommentars, der die Methode des Anfangs nicht nur benennt, sondern durchführt.

10. Ausblick: beide Texte zusammen — die Haltung, nicht die These

Stellt man beide geprüften Texte nebeneinander, zeigt sich ein Muster, das nicht in einer durchgehaltenen These liegt, sondern in einer Haltung.

In „Anfang und Methode" (1962) weiß Henrich, dass Hegels Anfang das Gegenteil einer Konstruktion ist und dass kein späteres Kapitel das Zentrum bildet. In der „Grundoperation" (1973) behauptet er das Gegenteil von beidem: der Anfang sei eine verkappte Konstruktion, und ihr Zentrum liege im Anfang der Wesenslogik. Und später schließlich setzt er das Absolute an den Anfang, das er anderswo als Resultat erkannt hatte.

Die Positionen wechseln, teils bis zum Selbstwiderspruch. Was bleibt, ist die Haltung: Voraussetzungen und Folgerungen an den Text herantragen; Hegel in der Schwebe halten oder als hinter seinem Anspruch zurückgeblieben hinstellen; und sich selbst als denjenigen inszenieren, der die verworrene Lage durchschaut. In „Anfang und Methode" ist diese Haltung am schwächsten ausgeprägt und die Sacheinsicht am stärksten — deshalb ist es der stärkere der beiden Texte. In der „Grundoperation" ist es umgekehrt, und deshalb ist sie, trotz ihres Ruhms, der schwächste.

Was zu gewinnen bleibt

Henrichs Aufsatz hat eine Einsicht, die Bestand hat: der Anfang der Logik läßt sich nicht positiv angeben, sondern nur über das, was er nicht sein darf. Wer mit einer Bestimmung beginnt, hat schon vorausgesetzt, was erst zu entwickeln wäre.

Was er abschneidet, ist Hegels eigene Antwort darauf — daß die Voraussetzungslosigkeit kein Mangel ist, den man beklagen müßte, sondern die Bedingung dafür, daß die Bewegung aus der Sache kommt und nicht aus dem Vorsatz des Darstellenden.

Wer beides zusammennimmt — die Schärfe der negativen Bestimmung und Hegels Begründung, warum sie genügt —, hat einen brauchbaren Zugang zum Anfang der Logik. Henrich liefert die eine Hälfte sorgfältiger als die meisten; die andere steht bei Hegel selbst.