Grenze, Endlichkeit, schlechte und wahrhafte Unendlichkeit
Die Grenze ist der Ort extremer performativer Spannung: Hier ist das Etwas und ist es nicht mehr. Die Grenze gehört weder ganz zum Innen noch zum Außen — sie ist nicht nur das Ende, sondern das Prinzip des Etwas.
Wenn die Grenze als Mangel erfahren wird, entsteht das Sollen: Die Bestimmung und die Schranke klaffen auseinander. Das Etwas will über seine Grenze hinaus, bleibt aber faktisch begrenzt. Jede erreichte Erkenntnis ist endlich und treibt weiter.
Wenn das Etwas seine Schranke durchbricht, entsteht ein neues Etwas — auch dieses begrenzt, auch dieses durchbrechend, ad infinitum. Das ist die schlechte Unendlichkeit: der endlose Progress (n+1), eine ermüdende Wiederholung desselben Widerspruchs, keine Lösung. Performativ erleben Sie hier die Langeweile des „und so weiter" — die Flucht des Denkens, das nie ankommt.
Der Durchbruch: Betrachten Sie die Bewegung des Progresses als Ganze. Das Etwas geht in ein Anderes über. Aber dieses Andere ist selbst ein Etwas. Im Übergang geschieht also nichts Neues mehr — das Etwas kommt im Anderen „zu sich selbst". Die Linie biegt sich zum Kreis. Die wahrhafte Unendlichkeit ist das „Beisichsein im Anderen" — was konkret heißt: Wenn Sie eine Fremdsprache lernen, begegnen Sie dem Fremden. Aber je besser Sie es können, desto mehr erkennen Sie darin sich selbst — Ihre eigenen Gedanken in neuem Gewand. Sie sind „bei sich im Anderen". Das Unendliche ist nicht „dort draußen", jenseits des Endlichen, sondern der Prozess der Rückkehr zu sich. Freiheit als Selbstbeziehung im Anderen: nicht Willkür, nicht Flucht, sondern Reichtum.