Substanz und Kausalität
Die Wirklichkeit verdichtet sich zur Substanz — aber nicht als totes Substrat, sondern als Macht, die ihre wechselnden Eigenschaften (Akzidenzien) setzt und zurücknimmt. Spinoza als „dunkler Hintergrund": Seine eine Substanz (Deus sive Natura) löst das Descartes-Problem elegant — statt zwei getrennter Substanzen (Ausdehnung, Denken), die eine Zirbeldrüse zusammenfügen muss, fasst Spinoza beide als Attribute derselben einen Substanz. Was Descartes trennt und Leibniz nur über eine „vorherbestimmte Übereinstimmung" (prästabilierte Harmonie) zusammenbringt, ist bei Spinoza von vornherein eins. Innerhalb jedes Attributs gibt es unendlich viele Modi — die einzelnen Dinge (dieser Tisch, jener Gedanke). Hegels Kritik: Spinoza erklärt, dass es Modi gibt (sie folgen aus der Natur Gottes wie die 180° aus dem Dreieck), aber nicht, wie die eine Substanz sich in viele Modi differenziert — woher die innere Dynamik kommt, die aus dem einen Unendlichen die vielen endlichen Dinge werden lässt. Die Substanz hat Modi, aber sie erzeugt sie nicht aus einer inneren Tätigkeit. Sie ruht in ewiger Selbstidentität. Hegels Erweiterung: Die Substanz muss Subjekt werden — sie muss sich tätig differenzieren, nicht bloß Modi „haben". Die Differenzierung ist kein Defekt, sondern die Art, wie die Substanz sich realisiert.