Wechselwirkung --- Höchste Form der Wesenslogik
Vollziehen Sie das: Nehmen Sie eine scheinbar einseitige Kausalbeziehung — „die Erziehung formt das Kind." Stimmt. Aber: Das Kind formt auch die Erziehenden. Und welches Kind es ist, bestimmt, welche Erziehung stattfindet, die wiederum bestimmt, welches Kind entsteht. Es gibt kein festes Erstes und Zweites — beide konstituieren sich im Prozess wechselseitig. Sobald Sie das einmal gesehen haben, finden Sie rein einseitige Kausalität nirgends mehr.
In der Wechselwirkung sind A und B einander wechselseitig konstituierend: Jedes Moment ist sowohl bestimmend als auch bestimmt, beide sind nur in dieser Wechselbestimmung. Theorie formt Beobachtung, Beobachtung korrigiert Theorie. Sprache formt Denken, Denken verändert Sprache. Angebot und Nachfrage bestimmen sich gegenseitig — es gibt keinen „Marktpreis", der unabhängig von beiden existiert.
Die höchste Stufe: Die Wechselwirkung erkennt sich als Wechselwirkung. Sie ist nicht nur faktische Wechselbestimmung, sondern sich selbst wissende Wechselbestimmung. Was heißt das konkret? Ein Paar, das versteht, dass es sich wechselseitig formt, kann diese Formung bewusst gestalten. Eine Wissenschaft, die versteht, dass Theorie und Empirie sich wechselseitig bestimmen, kann diesen Prozess methodisch organisieren.